Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 11 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Stadt auch zugrunde ging. Die Auflehnung kam besonders zum Ausdruck hei der Einrichtung eines griechischen Gymnasiums in Jerusalem durch den gräßlich assimilierten Hohenpriester Jason (hebräisch Jeschuah) und später zur Zeit des Herocles bei der Errichtung eines Zirkus für Gladiatorenkämpfe. Anderen steifen Nationalisten sagten diese Erziehungsmethoden schon darum nicht zu, weil sie von Ausländern eingeführt wurden; derselbe Vorfall, wie in der Gegenwart, wo es noch genügend Leute in unserem Wirtsvolke z. B. gibt, die das schwedische Turnen allein aus dem Grunde verwerfen, weil es kein deutsches Turnen ist. Uebergehen wir das biblische Zeitalter, die Zeit des naiv religiösen Volkstums, aus der uns fast nur Heldengestalten bekannt sind, Helden in jeder Beziehung und lassen wir nur die Geschichte nach dem ersten Exil zu uns sprechen, so stoßen wir auf wirkliche Idealhelden, d. h. solche, die sowohl in körperlicher als auch in geistiger („tendenziöser") Beziehung Gewaltiges leisteten. Mir schweben die Hasmonäersöhne und ihre Anhänger vor Augen. Ich denke an die kernigen Gestalten, die Lehrer und den größten Teil der Zeitgenossen des Talmud, die, soweit man von ihrer Persönlichkeit überhaupt etwas erfährt, niemals verkrüppelte oder auch nur der Körperpflege etwa abholde Naturen gewesen sind. Der Midrasch1) sagt von den Israeliten aus, daß sie „nie von schwereren Krankheiten heimgesucht wurden, daß sie stark und kräftig waren, wie die Tempelsäulen." Er bringt dies gelegentlich der Erklärung des Psalmverses (73, 4), der in ähnlicher Weise spricht; „denn keine Schmerzen hat ihr Tod und feist ist ihr Leib". In der Gemara2) erfahren wir von einer Frage, welche die Schüler des Rabbi IWe'ir an ihren Meister richten: „Warum wurde die Thora an Israel gegeben?" Antwort: „Weil sie so stark sind usw." Die Thora wird hier als ein Bindemittel aufgefaßt, denn, fährt der Tannaitc fort: „Wenn die Thora Israel nicht gegeben worden wäre, würde keine Nation und Sprache der Welt vor ihnen bestellen können." Ein anderer Midrasch3): „von der gesamten Körperkraft der Welt befinden sich 90 Prozent bei den Juden, die übrigen 10 unter den anderen Völkern." Ja Feinde konnten nicht umhin, ihre Körperkraft und ihren schönen Körperbau zu bewundern. Jener würdige Vorfahre Heinrich von Trcitechke's, der römische Geschichtsschreiber Tacitus, rühmte selbst die Juden, von denen er (Hist. V, 6) spricht: „corpora hominum salubria et ferentia laborum" (Der Körperbau jener Menschen ist ein durchaus gesunder und für die Arbeit geeigneter). Die Chaldäer sind nach einem höchst glaubwürdigen Zitat des Talmud4) von dem schönen Körperbau der jüdischen Jugend (.Jünglinge, die die Sonne durch ihre Schönheit beschämten") so verzückt gewesen, daß sie ihren König um die Vernichtung der Juden baten, um nicht durch sie gereizt zu werden. An einer anderen Stelle des Talmud*) heißt es, daß die Völker den Juden zuriefen: „Alle seid ihr schön, alle Heldengestalten." Unsere Tannaiten kannten das Sprichwort: mens sana in corpore sano schon lange bevor es die Heiden zu ihnen brachten. In Nedar. 38a predigen sie: „der Geist Gottes ruht nur auf ... . und Körperhelden". Daß unsere Vorfahren den schönen Körperbau zu würdigen verstanden, ja sogar zu erreichen gefordert haben, beweist der in (Aw. Zar. 20 b) und anderen Stellen durch Rab. Simon ben Gamliel überlieferte Segensspruch („Wie schön sind deine Werke, o Herr"), den er beim Anblick übermäßig schön gestaltete** Personen aussprach. Bekannt ist es, daßf Priester mit irgendwelchen Leibesfehlern zu ihrem Dienste nicht zugelassen wurden, und daß in das Synhedrion nur erfahrene, gelehrte, aber auch zugleich kräftige und hochgewachsene Leute, Adam schel Komah adam schel Zurah (wörtlich: „ein Mann von sch ön e r IS t a t u r"), aufgenommen wurden. („Man läßt für das Synhedrion nur Leute zu, von schöner Statur und hoher Bildung.") Man könnte J) Midrasch. Lew R. set. 17 Anf. 160 a. *) b. Beza 25 b. ») Esth. R. 101 d. *) Sanhedr. 92 b. s) Sif. Dt. 343 p, 143 a.