Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 11 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492385-5965084-5965419--882-4923662- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
HiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiMiiiiMHiiiiiiiiiiiiiiiiiim I JÜDISCHE | TURN-U. SPORTZEITUNG Organ des | Deutschen Kreises der Jüdischen Turnerschaft. | Heft 11._21. Jahrgang_November 1920 | - Redaktion: Berlin W. 35, Kurfürslenstrasse 130. — Kurfürst 1095. — | Anzeigen-Verwaltung: Verlag A. Loewenthai, Berlin W. 13, Sächsische Str. 8. { Unland 845, »46, 944. ^iiHmiiimiimiimMimuiiiiiiMmiiiMuiimmMiiiiuimiiiitii^^ Sondernummer^ Geschiebte der Jüd. Uurneracbaft. Talmud — Körperpflege und Gymnastik (Ein Beitrag zur Geschichte der Körperpflege, des Turn- und Sportwesens unter den Juden im Altertum.) Von stud. med. SQBraann Muntner. Uns modernen Menschen erscheint die Zusammenstellung des obigen Titel« fast unnatürlich. Wir sehen beim Aussprechen des Wortes Talmud jenen im Winkel hockenden, dürren Menschen, der nur aus „Geistigkeit" besteht und bei den übrigen Hegriffen einen kerngesunden, ideal schönen Körperbau vor uns und meinen, daß diese beiden Dinge nie zusammengepaßt haben. Abgesehen davon, daß in letzter Zeit die rein geistig sich betätigenden ..Talmudbachurim" an Zahl sehr rapide abnehmen, wollen wir unsern Blick auf unsere Väter zur Zeil der Entstehung d e s jüdischen Elementes, des Talmud, lenken und aus ihren eigenen Aufzeichnungen erfahren, wie gebaut, mit welchen körperlichen Vorzügen begabt jene gewesen sind. Es ist nur merkwürdig, daß, während die sonst überlieferten Lebensbeispiele unserer talmudischen Vorfahren, die doch von einem großen Teil unserer Brüder, besonders im Osten streng befolg! werden, die nachfolgenden bisher wenig beachtet worden sind. Mit Ausnahme der streng gymnastischen Hebungen, die beinahe zum -Selbstzweck ausarteten, traten unsere Ahnen für die größtdenkbare äußere und innere Pflege des Körpers ein. Ja viele diesbezügliche Vorschriften wurden von ihnen gesetzlich sanktioniert. Jene rein gymnastischen Uebungen verwarfen sie aus zwei Gründen: Erstens weil es ihren ethischen Anschauungen, widersprach, daß die Söhne ihres Volkes in derselben Weise wie ihre feindlichen Landesherren,mit denen sie nicht nur materielle, sondern auch geistige Kampfe täglich aus/ufechten hatten, völlig nackt auf dem Spiel- Platz herumtummcln, zweitens, weil bei ihrer Nacktheit die Scham der Jünglinge vor ihren iinbcschnittcnen Genossen immer größer wurde und den besten Anlaß zu einer Assimilation im eigenen Lande gab, indem sie zu einer Ablehnung der Beschneidung und damit zu einer Verweigerung des Bekenntnisses zum jüdischen Volke fülirte. Weil ferner auch die großen Wettrennen, die widwnatürlichen Gladiatorenkänipfc und dergleichen Begleiterscheinungen dieser Uebungen wurden und die rein gymnastische Erziehung schließlich nur noch Berufsathleten hervorbrachte, weigerte sich der größere Teil der damaligen luden gegen die Einführung dieser Schulen. Ein Beispiel für solche Ausartung bietet der Ort Tur Simeon, in dem, wie der jerusalemische Talmud (Taamt *. 5) berichtet, der Sport wirklich zur Hauptbeschäftigung wurde und dessen Bewohner sich mit Thorah („Tendenz") zu befassen, aufhörten, weshalb die 1 1