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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 10 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
10 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 51)
Language
German
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11 Haupt schlang sich ein Diadem, das mit Smaragden und Rubinen besetzt war. Nathan betrachtete ihn mit stillem Vorwurf: „Was soll der Reit, Adonijah, kannst Du den Tod Deines Vaters nicht erwarten?" „Damit Du meine Erstgeburt dem Knaben Salomo verkaufst? Jetzt bin ich Herr! Spürst Du das Schwert über dem Nacken? Adonijah hob drohend die Faust. „Du hast die Macht", erwiderte Nathan, „übe sie, wie Du willst, aber erlaube uns, eh' Du lins tötest, unseren Herrn David zu beweinen, der uns ein gütiger König war! Ein paar weißbärtige Krieger schluchzten wie Kinder. Joabs Arm krampfte sich um die Säule, neben der er stand, als wollte er sie zerbrechen. Adonija faßte sich zuerst und rief: „Ich bin König von Israel!" Er wandte sich zu dem Thronsessel, der an der Rückwand des Saales stand. Dort ließ er sich nieder, das nackte Schwert aut den Knieen. Da öffnete sich die Tür, die in das Zimmer führte, in dem David lag. Alle Anwesenden standen in starrem Staunen. Ein Oreis schritt über die Schwelle, in langem, schleppenden Nachtgewand. Seine Augen waren unheimlich wen geöffnet, so daß die dunkle Iris ganz in der bläulich-weißen Umgebung1 verschwand. Man sah ihn näherkommen, Schritt für Schritt; aber niemand hatte den Eindruck, daß ein Sterblidher je so gegangen wäre. Langsam, unerbittlich sicher bewegte sich der Schweigende auf den Thron zu, auf dem Adonijah saß. Adonijah fiel nieder und berührte den Boden mit der Stirn. Aut einmal beugte sich alles zur Erde. Nie vorher hatten Israeliten vor ihrem Könige gekniet. David schritt die Stufen des Thrones empor. Die Schleppe seines Gewandes hatte sich um seine Beine geschlungen, hinderte aber seine Bewegungen nicht. Er ging an Adonijah vorbei, ohne daß offenbar wurde, ob er ihn oder irgend einen andern bemerkt hatte. , ,. , . Der König saß auf dem Thron. Seine Züge waren unbeweglich und in ihrer Starrheit furchtbar. Sein gewaltiger; Oberkörper ragte kerzengerade empor. Seine Füße waren geschlossen wie die eines ägyptischen Götterbildes. Adonijah zitterte in einer Art Fieber. Das Grauen hatte ihn überwältigt, so daß er nicht das Haupt zu heben wagte. Seine langen Locken, die er nicht scheren ließ, hingen ihm wirr über die feuchte Stirn. Aut einmal schaute alles rückwärts zur Pforte. Eine Gasse bildete sich; durch <J ie Menge schritt die Königin Bathsebah neben Salomo, ihrem (Sohne. Hinter ihr ging der Prophet Nathan. Als die Fürstin den König pah, begann sie zu schluchzen: „Mein Herr und Gatte, mein Herr u-.d Gatte." Adonijah war aufgesprungen beim Anblick! des Bruders. Sein Antlitz war bleich vor Zorn, rot flimmerte der Haß vor seinen Augen. Er drängte das Weib zur Seite, so daß er Salomo gegenüberstand, Gesicht zu Gesicht. Sem ganzes Wesen, sein Körper empörte sich gegen den stolzen und ernsten Jüngling, der Beinen Blicken nicht auswich Ihn ärgerte die Jugend und Reinheit des Anderen zum Ersticken, und er hätte diese schlanken Glieder, die herb und süß wie die eines Mädchens waren, mit den erzgeschienten Füßen zertreten mögen. PIo«»a» wandte er sich zum König. Er war heiser vor Erregung und sprach mit geballten Fäusten, Er verlangte die Herrschaft als Krieger und einer, der des Keidhes Macht mehren würde. „Was soll der Knabe aut Israels Stuhl au» dem neiden saßen?" Er verglich sich dem Bruder und fand Worte der Verachtung für den Schützling der Pfaften. Er schloß m« der Forderung: „Herr soll der Stärkste sein! Mein sei die Krone!" _ , ,± ,„, . David redete. Seine Stimme klang sehr verändert. Er holte die Worte aus Tiefen, die Lebenden sonst verschlossen sind. Er sprach mit Menschen, die längst tot waren, als ständen sie vor ihm. Er reckte die Hand gegen Adonijah. den der Kronreif immer noch schmückte. „Wie oft verrätst j>u mich mein Sohn Absalom?" Schwer und hart tönten die Worte; der König hatte sich erhoben und stand aufrecht, ganz im Sonnenlichte, das nur ihn umstrahlte und alles sonst dunkel ließ: Er wat* der Richter, und sein Urteil war Vernichtung. Aul einmal schärfte sich sein Blick, die Starrheit seiner Züge wich, er erkannte die Umstehenden. Mit einer unsagbar gütigen Bewegung zog er ialomo an sich. »Mein Sohn, mein lieber Sohn." Da sauste es blank durch die Luft, die Planken krachten, dicht vor Salomo bohrte sich Adonijahs Schwert in den Boden. Wie sinnlos stürzte der Tliter davon. Segnend berührte David des Knaben Haupt: i 0

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