Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 10 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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12 JDir leg' ich aut diei Seele Israels Geschick. Sei stark und gut! Die Zeit des Aufbaus ist vorbei; es gilt .erhalten! Nur Einer konnte schaffen; das Bewahren sei aller Werk. Ein Staat ist geworden; ein Volk soll werden. Kraft hat verbunden, Geist soll verschmelzen. Das ist Dein Erbe, Salomo. Sei glücklich und herrsche!" Des Königs Züge wurden stolz und ruhig. Noch stand er aufrecht. Er lächelte. Dann fiel er lautlos und ohne Kampf zusammen. Abisag von Sunem hielt das Haupt des Toten im Schoß. Sie weinte ganz ohne Fassung. Der lyrische Arzt hatte sich von fruchtlosen Bemühungen erhoben und erzählte stockend und immer noch zitternd: „Er lag wie tot, ganz kalt und starr; nie habe ich einen Lebenden so gesehen. Aber bei dem Getöse richtete er sich aut und ging; denkt Euch: kalt und starr und richtete sich auf und ging." Der Priester Zadok sagte: „Er war der Hort Israels; sein Geist riß den Körper zurück ins Sein. Er konnte nicht sterben, wenn sein Werk wankte." Da sprach der Prophet Nathan:. „Er durfte sterben; denn sein Wille lebt. Mag Stadt und Reich vergehen, ewig bleibt Volk und Geist!" Una der Prophet wandte sich und sah alles im Saale aut den Knieen. Da hob er die Hände, und die Priester und Leviten traten hinter ihn und' taten gleich ihm. Sie weihten Israel mit dem uralten Zeichen des Segens. An dem gleichen Tage, da König Salomo gesalbt wurde, erschlug Benajah den Feldhauptmann Joab, der in das 'Zelt des Herrn gegangen war, um der Feier auszuweichen und für seinen toten König zu beten. Der Sterbende stürzte über den Altar wie ein geopfertes Tier, riesenhaft und noch im Tode gewaltig1; das Sinnbild einer Zeit, die vergangen war. (Tlebrkarapf. Wer seinen Körper in der Gewalt hat, vermag auch seinen Geist im Zügel zu halten. Um eine Harmonie von Geist und Körper zu erlangen, bedarf es also neben der rein geistigen der ebenso wichtigen Leibes-Erziehung. Diese ist nur durch eine vielseitige Durchbildung des gesamten Körpers zu erreichen. Ein außerordentlich kräftiges Anregungsmittel hierzu ist der W e 11 - kämpf. Er ist eine Institution zur Messung und Einschätzung körperlicher Leistungen. Der Wettkampf ist derjenige Faktor unserer Erzienung, der sowohl das dem Menschen innewohnende Prinzip der Wette am reinsten und natürlichsten befriedigt als auch gleichzeitig dem persönlichen Ehrgeiz in ansprechender Form Gelegenheit zu freier Entfaltung gibt. Um nun möglichst der Sieger im Kampfe zu sein, wird man leicht geneigt sein, sich auf gewisse Körperübungen zu spezialisieren, ein gewaltsames Züchten einer Höchstleistung anzuwenden und so nur eine einseitige Körperausbildung genießen. Was nutzt es aber, wenn jemand Meister im Laufen ist, aber außerstande, auch nur die geringste Armkraftübung zu vollbringen. Pflegt ein Läufer seinen Körper, wenn er mit oft schwachentwickelten Armen, ein Kraftathlet, wenn er mit nur schwachen Beinen umherläuft? — Diesem Uebel der Einseitigkeit, der oft nur zu viele verfallen, abzuhelfen, dazu ist der Mehrkampf wieder eingeführt worden. „Wieder eingeführt", weil er in fast derselben Form wie heute schon den ältesten Griechen bekannt war und von ihnen bei ihren Spielen angewandt wurde und weil er mit deren Niedergang ebenfalls vergessen und verschollen war. Zu neuem iLeben erwachte er erst am Ende des vorigen Jahrhunderts. Man hat eingesehen, daß der Mehrkampf der gesundeste weg ist, dem Ideal der wahrhaften Körperkultur näher zu kommen, wenn auch die vorzügliche Einzelleistung unter ihnen leiden muß. Was nun für den Einzelnen zur Gesundung innerhalb seines Vereinsrahmens gesagt ist, das gilt auch für den gesamten Verein bei seinem einheitlichen Auftreten nach außen hin. Wie der Einzelne während der einzelnen