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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 10 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
10 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 50)
Language
German
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10 mättglänzende Schalen aus Porphyr, in denen köstliches Gewürz schwelte. Nathan stutzte aut der Schwelle. Seine Augen, die das Alter getrübt hatte, begannen vom Rauche zu tränen und gewahrten nichts als die vergoldeten Säulen, deren dicke Stümpfe in phantastische Blumen auslieten. Plötzlich tauchte Benajah, der Führer der Leibwachen, aus dem Nebeil. „Ich war bis jetzt beim König — wenn kein Wunder geschieht, erlebt David die Mitternacht nicht." „Ist er wach?" „Er liegt wie tot aut dem Bette; seine Füße sind ikalt upd seine Hände blau." „Ist die Leibwache unter Waffen?" Benajah nickte. „Lass' Doppelposten aufziehen bei Nacht, niemand soll schlafen!" Flüsternd erzählte Nathan von seiner Begegnung mit Joab. iDas Teise Gespräch machte die Stille im Saal noch drückender. Alles war Schweigen und Erwartung. Um die Räucherschalen summten die Fliegen. Ein großer, schwarzer Käter schwirrte durch den Raum und erfüllte die Luft mit dem unerträglichen Surren seiner Flügel. Die Stille brauste in den Ohren der Wartenden. Alle Herzen hämmerten in einem Takte. Alle Herzen würden auT einmal stillstehen, wenn das eine geschehen würde. — Im Nebenraum tönten Schritte; ein eifriges Lauten, abgerissene Worte. Die Wartenden schreckten empor. Einige zitterten, als ständen sie in großer Kälte. Der Hauptmann Simei weinte, daß sein Bart ganz feucht wurde von seinen Tränen. Einmal öffnete sich die Tür, und das blasse Köpfchen Abisags von Sunem, die den König Tag und Nacht pflegte, erschien in dem Spalt. Der Prophet Nathan ging hinüber zu dem Sterbenden. Minute für Minute tropfte in die Ewigkeit. Keiner rührte sich von seinem Platze, und jeder fühlte die Schlinge, die langsam seine Kehle zusammenschnürte. ' Plötzlich zerriß die Stille vor einem grellen Schrei, der aus der Unterstaat kam, den Berg Zion emporkletterte, sich fiber die Mauern des Königsschlosaeft schwang und den ganzen großen Palast erfüllte bis in seine fernsten Winket - letzt war alles Lärm, Erregung, ratlose Hast. Im Hof tönten laute Befehle; Geharnischte rasselten über Flure und Treppen. Alles aber ging unter in dent dumpfen Brausen, in dem Rauschen erregter Massen, das aus der Stadt empordrang, im schrillen Schalt der Trompeten, der von jauchzenden Schreien über« tönt wurde. . . Die Priester und Höflinge waren starr vor Schreck: Der König starb■. Was jubelte das Volk? Sie liefen durcheinander wie Lämmer, wenn der Wo" um die Hürden streicht. ■ «V " Vom Burgdach, das ein blühender Garten war, spähte man zu Tal. D*e Stadt Jerusalem schien mit einem Schlage verändert. Die weißen Lehmhüw» waren verschwunden in einem Meer von Grün. Die Straßen wimmelten von Menschen, die Palmzweige schwangen und sangen. Ein Haute von Tausendetir Reitern und Fußgängern, wälzte sich den Zionsberg hinauf. Ein WakJ von Speeren bildete Spitze und Schluß des Zuges. , Die Höflinge aut der Zinne des Schlosses tauschten erregte Bemerkungen. Auf einmal war Benajah, der Führer der Leibwachen, unter ihnen: „Das ist Joab,", sagte er, „jetzt helf uns Gott!" Die Versammelten sahen sich an unci erbleichten; sie wußten, daß Joab erbarmungslos und Adonijah grausam war. Benajah, der in Davids Kriegen verlernt hatte, den Tod zu fürchten, lachte verächtlich und schwieg. Die erzenen Tore der Burg dröhnten von heftigen Schlägen. Laut tome von unten die Stimme Joabs, der Einlaß forderte. Benajah suchte zu verhandeln. „Oeffnet, oder es gibt Mord!" riet der Feldhauptmann zurück. „Schämst D« Dich nicht, Joab, den Frieden Deines sterbenden Herrn zu stören?" «was Frieden?! Ich stürme die Mauern, wenn Du nicht aufmachst!" Kreischend flogen die Flügel des Tores auseinander. Joab stampfte die langen Gänge hinunter zum Vorzimmer des Königs. Sein Anhang füllte d»e- Räume des Schlosses mit wüstem Geschrei. Joab blickte sich um: „Wo m Nathan, der Verräter?" Der Prophet trat ihm entgegen: „Du schlägst sehne», Joab, aber ich hätte von Dir mehr Ehrfurcht vor Deinem König erwarte« „Spare die Predigt, auf die Knie, Priester, Dein König steht vor Dir!" Aus der Menge trat ein Mann von riesiger Größe in blauem und roten Purpur; um sein

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