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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 10 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
10 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 46)
Language
German
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6 Wie der Talmud uns selbst erzählt, reicht die Kenntnis der „mündlichen Lehre" bis in die Zeit Moses (15. Jahrhundert v.Chr.) hinauf. Dieser, heißt es, überlieferte sie dem Josua, der wieder den A e 11 e s t e n der Richterzeit, von diesen übernahmen sie die Propheten, von diesen empfingen sie die Män ner der großen Synode, deren letzter Simon der Gerechte war. Von diesem ging sie dann auf die Lehrer der oben erwähnten 1. Epoche über. * » » Ich habe mir das Ziel gesetzt, eine Reihe der wichtigsten Gelehrten und interessantesten Persönlichkeiten, von Simon dem Gerechten angefangen bis zu den letzten Amoräern Euch vor Augen zu führen, soweit sie uns im Talmud geschildert sind. Ich will dabei immer auf ihre Lebensgeschichte, ihre wichtigsten Anschauungen und Aussprüche eingehen. Simon der Oerechte jlX?D5^ (um 250 v. Chr.) versah 40 Jahre lang den treuen Dienst eines Hohenpriesters am 2. Tempel zu Jerusalem. Er war einer der letzten Mitglieder der großen Synode rtyrijS fly-J.? a). Den Beinamen „Oerechter" erhielt er wegen seines ehrlichen Wandels und seiner wohlwollenden Oesinnung gegen seine Zeitgenossen. Nicht alle Priester waren so wie er- Besonders seine Nachfolger waren schlimme Verräter ihres Volkes. Während der Syrerherrschaft waren sie die ersten, die sich der neuen hellenischen WeltassimUierten, sich griechische Namen beilegten, griechische Sitte und Sprache einführten. J*i sogar ein eigener Sohn unseres frommen Priesters, Onias, war derjenige, der aus Palästina nach Aegypten ging, wo die griechische Kultur und Wissenschaft damals in hoher Blüte stand und in iHebopolis, in der Landschaft Gosen einen „Konkurrenztdmpel" gründete, dessen erster Priester er wurde. Von dem ägyptischen Herrscher Ptolemäo® VI Philopathor erbat er sich statt des zerfallenen, Tempels der ägyptischen Oöttin Bubasitis einen dem jerusalemischen Tempel ähnlichen Bau zu errichten, was* dieser ihm auch gewährte. Er trug Sorge für die Befestigung des Tempels, legte unterirdische Kanäle - und 'Wasserleitungen an zur Erle'Lcnterung und Reinhaltung des Opferdienstes. Der Talmud überliefert uns unter anderem von ihm: Philopator beabsichtigte eine Bildsäule im Heiligtume zu Jerusalem aufzustellen. Diese Nachricht trat einen Tag vor dem Neujahrsfeste ein und erschütterte das Volk aufs tiefste. Simon beruhigte die Menge und forderte sie auf, das Fest getrost zu feiern, der Herr würde solche Entweihung ohne Vergehen des Volkes nicht dulden. Am nächsten Tage erfuhr er, daß ctasi Vorhaben des Herrschers zerstört sei, weif dieser ermordet wurde. Er besaß eine ungewöhnlich starke Gotteszuversicht, die ihn gegen jede äußere Oewalt furchtlos und gewappnet machte. Die Sage erzählt von ihm einen in seinen Tagen unmöglich mehr geschehenen Vorfall: «) „Die große Versammlung" bildete nach der Rückkehr aus der ersten Oaluth (Verbannung) die Oberbehörde des neuen jüdischen Staates in Palästina mit politischem sowohl als auch religiösem Charakter. Sie bestand aus fftP?,' Propheten, O'jp.J den ersteren „Alten und onpte Schriftgelehrten". Sie hielten das Volk an zur treuen Befolgung des Oesetzes und waren die ersten, die auch dem Volke höheres Wissen übermittelten, das bis dahin nur die Priester besaßen. Sie sammelten die Schriften der Bibel, verfaßten einen großen Teil von bis heute erhaltenen Oebeten. In den Sprüchen der Väter sind drei von ihnen stammende Erlasse überliefert, die heißen: „Seid bedachtsam im Richterspruch, stellet viele Schüler aus und schließt einen Zaun um die Thora!" Aufgelöst wurde diese Behörde unter der Syrerherrschaft.

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