Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 10 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 A. Jugendarbeit. Hier genügen uns „Vorturner", die blos „vorturnen", nicht. Wie wir eben gezeigt haben, haben wir im Turnvereine auch gegen alle Assimilationstendenzen Widerstandsbarrieren zu errichten, die ein dauerndes nationales Bewußtsein bewirken sollen. Nun lehrt uns die Erfahrung: das nationale Bewußtsein unserer Jugend erwecken, es entflammen, ist nicht allzu schwer und geschieht gemeiniglich durch Reden, Broschüren, Lieder, Symbole, Abzeichen usw. Es aber für die Dauer festhaltend im Innern der Persönlichkeit zu verankern, vermag lediglich jüdisches Wissen und die innerliche, nicht oberflächliche Kenntnis judischer Kulturwerte. Die Grundlage jeder nationalen Kultur ist aber Sprache und Geschichte, weil sich in diesen beiden Disziplinen der nationale Genius am reinsten offenbart. Darum gilt die Parole: Hebräisch und jüdische Geschichte. Und d a tut uns eine national gesinnte Vorturnerschaft not, die durch die Tat beweisen soll, daß sie als Bannerträger unserer Parole mit gutem Beispiel voranschreitet. Die Riege muß im Vorturner ihren Führer, jenen Menschen sehen, dem sie nachzueifern, dessen Kenntnisse und Fähigkeiten sie sich anzueignen bestrebt sein soll. Ist dies aber der Fall, dann stellt sich die derzeit am Boden liegende Disziplin von selbst ein. Ein Appell eines jüdischen Vorturners an das Pflichtgefühl seiner Riege wird einen Widerhall in den Herzen seiner Turnbrüder und -Schwestern finden, der n i e und nimmer durch ä u ß e r e Machtmittel erweckt werden kann. Wahre, echte Disziplin können auf dem Turnplatz nur national empfindende und jüdisch gut durchgebildete Vorturner schaffen. So ergibt sich als logische Konsequenz die Forderung nach nationaler Ausbildung unserer Vorturnerschaft: Schaffung von Kursen für hebräische Sprache, jüdische Geschichte, Geschichte des Zionismus und seiner Geburt, der jüdischen Turnbewegung, ihrer Ziele und Zwecke. Diese Kurse müssen für alle Vorturner-Kandidaten und -Kandidatinnen obligatorisch sein, hebräische Sprache, jüdische Geschichte und Geschichte der jüdischen Turnbewegung müssen Prüfungsgegenstände der Vorturnerprüfung werden. Da aber diese Kurse naturgemäß für die „Prüfung" vorbereiten würden, hätten unsere Vorturner bloß ein Minimum an jüdischem Wissen und es bestünde die Gefahr, daß dieses Minimum sich allmählich wieder in Null verwandle, wenn wir hier nicht vorsorgend durch Einrichtung von Vorturner-Fortbildungs-Kursen einen Riegel vorschieben. Zum Besuche dieser Fortbildungskurse ist jeder Vorturner verpflichtet, ohne daß der Besuch dieser Kurse auf Vorturner zu beschränken wäre. Was für den Turnverein der Vorturner zu tun hat, richtet in den Sportvereinen ein besonderer Gruppenführer oder sonst ein führender Mann aus. Die Vorturnerfrage steht in engem Zusammenhang mit der hebräischen Kommandosprache. Es ist gewiß mißlich und von zweifelhaftem Ideale, wenn die hebräische Kommandosprache in einem Zeitpunkte eingeführt wird, da nicht nur ein Großteil der Turner, sondern