Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 10 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 die durch keine Werte bedingte Liebe der Eltern an sich selbst erfahren hat, ihre völlige Ausschaltung bei der Erziehung des Kindes als berechtigt oder gar als nützlich anerkennen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß das hygienisch einwandsfreieste Kinderheim die Atmosphäre ersetzen kann, die in einem wirklich jüdischem Familienkreis herrscht. Ich meine: Die nächstliegende Aufgabe wäre es, die entartete Familie neu zu gestalten, sie mit einem Geiste zu erfüllen;, der die Gewähr für de rchtige Erziehung der Jugend in sich trägt. Der zweite Punkt, der eine kritische Stellungnahme erfordert, wären die Vorschläge Bernfelds auf sexuellem Gebiet, die, während für die peinlichst genaue Beschreibung eines Raumes Seiten verwandt werden, aut ein paar Zeilen beschränkt sind. Es ist hier nicht der Ort, ausführlich' aut das in jeder ugendbewegung ungemein wichtige Problem einzugehen; ich will nur daraut inweisen, wie dürftig die Ausführungen über die Koedukation sind, die speziell der Klärung bedürften (und in denen sich B. eng an die Gedankengänge Wynekens anschließt, dessen Theorien ihn überhaupt entscheidend beeinflußt haben), und wie unklar, ja verworren z. B. das Problem der Ehe dargestellt ist. Der dritte Punkt endlich, vielleicht der bedeutsamste, ist materieller Art. Um die Bernfeldschen Pläne durchführen zu können, müßten wir ein ungeheuer feiches Volk sein. Und das sind wir, weiß Gott, nicht! Wir imüssen unser Land aufbauen mit den geringen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Und darin scheint mir die Hauptaufgabe des Buches zu liegen: es verschließt uns die Augen vor der harten, bitteren Wirklichkeit und gaukelt uns schöne Träume vor, die nie erfüllbar sind Wir aber brauchen Männer; die uns den Weg zeigen, der ins Freie führt, und doch der Probe der Tatsachen standhält, der unserem wahren jüdischen Menschentum entspricht, und doch durchzuführen ist. Wir sind am1 Anfang schwerster Arbeit. Und am Anfang (das wollen wir Bernfeld trotz der vielen Anregungen zurufen, die uns sein Buch gibt) steht nicht das Wort und nicht die Theorie, sondern das Leben. Das wollen wir meistern und an ihm unsere Kräfte erproben! Der Turnbetrieb. Praktische Vorschläge von Arthur Loewenstein, Hauptturnwart des I. T. V., Bar Kochba-Berlin. Bei der Einrichtung eines Turnbetriebes sind neben den allgemeinen turntechnischen Gesichtspunkten die Zeit und der Ort des abzuhaltenden Betriebes gründlich zu erwägen. Für die Abteilungen der Erwachsenen kommen wegen der Berufstätigkeit am Tage nur die Abendstunden inbetracht. Die Dauer des Turnabends ist fast allgemein auf 2 Stunden festgelegt worden, da die praktischen Erfahrungen gezeigt haben, daß bei dieser Zeit eine Uebermüdung nicht eintritt, andererseits aber gerade noch genügt, um aus den reichhaltigen Uebungsgebieten des Turnens den Turnenden kleinere ausreichende Kostproben zu verabreichen. Für Kinder ist der Spätnachmittag (etwa zwischen 5 und 8 Uhr) als Tumzeit zu wählen. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Kinder möglichst vor 8 Uhr abends wieder in der elterlichen Wohnung sein müssen, andererseits aber, daß es den am Tage beruflich arbeitenden Vorturnern möglich ist, in der festgesetzten Zeit vorzuturnen. Man turne möglichst 2 mal in der Woche. Für uns Juden kommen wegen des Sabbats nur die Tage von Montag bis Donnerstag