Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 10 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Staat") uns nur ein Koptschütteln (abzugewinnen vermag? Herzl hat (nach ■einem Gedankengang Krojankers) zum Geist des Lebens gerufen, während Bernfeld zu einem Geist ruft, den erst dies Leben gebären kann, dessen Begabung zu einer neuen Entartung führen muß, wenn seinen Lockungen allzu willig gefolgt wird. Es würde zu weit führen, hier ausführlich auf die Methoden der Erziehung •einzugehen, wie sie Bernfeld fordert; wir können sie in diesem Rahmen nur in kurzen Strichen skizzieren. Die Fürsorge des Verfassers, die oft die Pedanterie streift, reicht bis vor die Geburt des Kindes. Im fünften Monat der Schwangerschaft geht dlie Mutter ins M ü 11 e r h e i m , das — in vorbildlicher Weise eingerichtet — ihr auch nach der Geburt noch einige Monate Tang Aufenthalt gewährt. Pflege, Nahrung, Kleidung usw. für Mutter und Kind sind unentgeltlich: die Kosten tragt der Staat. Ist die Gesundheit der Mutter völlig hergestellt, «verläßt sie «las Heim; das Kind bleibt dort oder wird in einem Säuglingsheim untergebracht; nur in Ausnahmefällen darf es bei den Eltern essen und schlafen, nier verbringt unter Autsicht einer bewährten Leiterin das Kind (ganz nach Art ■fes in Deutschland besonders bewährten Fröbelschen Systems) die ersten Monate seines Daseins. Mit dem ersten Jahre kommt es in das Kinderhalls, das bis 13'- I-e'5ensianr seine Heimstätte ist. Das Heim ist (aus räumlichen und pädagogischen Gründen) in zwei Altersstuten geteilt gedacht:: im unteren »Limmer" sind die Kleinen bis zum achten Lebensjahr; dort erlernen sie „sehr pJi'u3"0 Handgriffe l'es täglichen Lebens"; und diese empfinden sie nicht Ms rtlicht, sondern lediglich als „Ausfluß ihrer ungehemmten Selbsttätigkcir.-- schreiben und lesen wird sie nur auf ihren Wunsch von den Leitern gelehrt; jedem Kind steht es frei, sich nach Gefallen zu beschäftigen. „Das Leben steht fianz im Zeichen der Entwicklung der Sinne und der primitiven seelischen und .gesellschaftlichen Formen." Das obere „Zimmer" ist, der höheren Altersstute entsprechend, vom »trkenntnistrieb und der Einführung in die Gesamtheit" beherrscht. Alle Lehr- Platie und Unterrichtssysteme sind abgeschafft; man vertraut dem „unersättlichen. Wissensdurst" des Kindes, das nur das zu erlernen braucht, was es eben „interessiert." (Die Zuversicht Bernfelds zu dem Lerneifer und der Urteilsreite eines Dreizehnjährigen vermag ich bei allem Glauben an den Wert jedes Juden- Kindes nicht zu teilen). Die Erreichung der Altersgrenze bringt dem Kind die Uebersiedlung in B^M >'.J U'S e,n e re i c Ii". Und hier gelingt es dem Vertasser, uns das Bl|d eines Gemeinschaftslehens zu malen, das uns durch Schilderung geradezu Päradiesischer Zustände gefangen nimmt. Alle nur erdenkbaren Möglichkeiten Ah -f B aut dem Gebiete der Kunst, der Wissenschaft und der praktischen E h-i ,stenf;n a"en Bewohnern des Bereichs zur vollständig freien Verfügung. bilden sich Gruppen Gleichgestimmter, die sich ihre Führer aus ihrer Mitte wählen. Die hervorragendsten Menschen des Landes, Künstler und Gelehrte, eoen im Bereich mit dem aufrichtigen Wollen, der jüdischen zu f.fn'* zu S^ben von ihrem Reichtum. Alle Wirtschaftssorgen, jede Tätigkeit juf b»oßen Erwerbszwecken, durch Anfechtlichkeiten und Alltag sind den jungen Renschen weltenfern; nur sich selbst lebt er. seinen Fähigkeiten gemäß, unter "Renschen seiner Art, bis er zum zwanzigsten Jahr entweder eine Wissenschaft Fat n" ^""dwerk erlernt hat und ins Berufsleben tritt, oder an einer der vier nih tler Landesuniversität (Bernteld sieht eine medizinische, eine techsene, eine politische und eine pädagogische vor) zugelassen wird. Damit wäre dann die Erziehungsaufgabe erledigt. Ein nP'ese kurze Darstellung gibt nicht im Entferntesten den Reichtum an «ti?tZe wieder, mit denen die Liebe Berntelds zur Sache jede tntwicklungswön aus?chmuck*- Aus der Fülle des trotz alledem Anfechtbaren pWir m diesem Zusammenhang nur drei Punkte herausgreifen. wird p s '.e n s > d'e Stellung, die der Familie in Berntelds Utopie zugewiesen wan ■ Wonl keinen unter den Lesern dieser Zeitschrift, der nicht irgencl- 'EnJf uCinma' se'ne inneren Bedingungen an die Familie als Hemmnis zur freien nuaitung seiner Persönlichkeit empfunden hat. Und doch wird keiner, dir '< 0