Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 10 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/6492385-5965084-5965418--831-4923612- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
9 und erörterte nur das eine Thema: wann werden>ir wieder in^Palastina sein? — Auch sie wurde ein Opfer des Krieges, zuviel verlangte er von ihr, zu gering waren ihre Kräfte und kurz vor dem Ende des Kampfes begruben wir sie, fern vom Lande der Väter, in das zurückzukehren sie 4 Jahre sich gesehnt hatte. Frau Dr. M a 1 k i n war die Frau des Koloniearztes von Rosch- Pinah und die Schwester des früheren Mitgliedes des Zionistischen Engeren Aktionskomitee Dr. Victor Jacobsohn. Ich habe sie nicht persönlich gekannt, denn als ich zum ersten Male nach Rosch-Pinah kam, lag sie Sv.hon scherkrank und dem Tode nahe in Safed. Ich sah nur ihr Bild und hatte den Eindruck, daß sie durch ihren Geist und durch ihre ganze Persönlichkeit alles Mittelmaß weit überragte. So lautete auch das Urteil aller, die sie auf diesen weltabgeschiedenen Vorposten kennen gelernt hatten. Und später sah ich ihre Kinder. Alle Schönheit und aller Zauber des neuen Palästina und ein Abglanz des Geistes ihrer Mutter lagen auf ihren lieblichen Gesichtern, die man nur mit Andacht und Rührung betrachten konnte. Es war der hervorragenden Frau nicht vergönnt, ihre Kinder heranwachsen und teilnehmen zu sehen an dem grossen Werke der Volksaufrichtung. Aber als ein lebendiges Denkmal werden sie die Erinnerung an diese Mutter;in Israel wachhalten in Galiläa. Schulamith Ruppin, die Gattin Dr. Arthur Ruppin's, kam im Jahre 1908 nach Jaffa und begründete dort 1910 die Musikschule, im folgenden Jahre ein Zweiginstitut in Jerusalem. Wer weiß, welche Rolle die Musik im Leben der östlichen und damit auch der palästinensischen Juden spielt, wird ermessen können, welche Begeisterung das Vorgehen der künstlerisch bedeutenden und hochgebildeten Frau hervorrief. Die Musikschule war, neben dem Gymnasium, das populärste Institut Te 11 - A w i w' s, die Schüler- und 'Lehrerkonzerte der Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens in jener glücklichen Zeit. Manches werdende Talent tauchte da auf, mit Liebe gepflegt und gefördert durch die Schule, die immer mehr zu einem wichtigen Instrumente des Aufbaues wurde und eine Reihe vorzüglicher Lehrer und Lehrerinnen aus Europa heranzog. Neben ihrer Arbeit in der Leitung des Institutes übte Schulamith Ruppin in vollendeter Weise die Pflichten der Repräsentation als Gattin des obersten Beamten der zionistischen Organisation aus, bis ein früher Tod ihrem Leben ein Ziel setzte. Als sie während ihrer letzten schweren Krankheit nach Jerusalem fuhr, begleitet von den Gebeten und Tränen von ganz Tell-Awiw, da ahnten schon die meisten, daß wir sie nicht wiedersehen würden. Am Abend vor ihrem Hinscheiden wurde noch die materielle Zukunft der Jerusalemer Schule gesichert durch das gleichzeitige Eingreifen der Moskauer und der Jerusalemer Zionisten; eine erhebliche Besserung im Befinden der Leidenden war eingetreten und alles hoffte auf ein Wunder — aber am nächsten Vormittag schloß sie die Augen für immer und wurde begraben auf dem H a r - s c h i m , der ewigen Stadt gegenüber. 1 0