Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 10 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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8 Leiterin der Mädchenfarm in Kinereth, selbst eine wackere Chaluza und unter ihrem Mädchennamen Channe Maisei im ganzen Lande bekannt und beliebt, hat eine Reihe dieser Vorkämpferinnen geschildert4). Ich will heute Worte des Gedenkens einigen Frauen widmen, die die neue grosse Zeit nicht mehr erlebt, aber sie mit vorbereitet haben. Sarah Thon, die Gattin Dr. Jakob Thon's, der mit Ruppin seit 1908 das „Palästina-Amt" leitete, starb am 27. März 1920 in Jerusalem. Wer diese Frau nicht kannte, hat keine Vorstellung davon, was der unerschütterliche Wille eines starkgeistigen Weibes, was Tat- und Arbeitskraft einer Frau in einem Lande bedeuteten, wie es das Palästina der Vorkriegszeit war. Der Kreis der Schaffenden war noch klein — „der Jischuw war eine große Familie" — sie waren nicht Nullen, die den Wert irgend einer 1 vergrösserten, sondern jeder war selbst eine 1, ein wichtiges Glied beim Baue der Zukunft des Volkes. Dies Bewusstsein beseelte auch Sarah Thon und spornte sie an bei ihrer Arbeit für die Spitzenschulen, die hunderten von Mädchen einen ausreichenden Lohn, hebräischen- und Turnunterricht gewährten und sie an regelmässige Arbeit gewöhnten. Sie war unter den Begründern des Konsumvereins von T e 11 - A w i w und manchen anderen Institutionen, sie stand jedem Neuangekommenen mit Rat und Tat zur Seite. Ich glaube es wurden damals in Jaffa wenig Entscheidungen in den wichtigsten Angelegenheiten des zionistischen Kolonisationswerkes getroffen, ohne daß ihre Meinung zuvor eingeholt worden wäre. Daneben trug sie Sorge um ihre Familie und wurde Mutter von vier Kindern. Ihre nie erlahmende Arbeitskraft bewältigte das alles, aber die Kriegszeit hat übermenschliches von ihr verlangt. Ihr Herz hielt nicht mehr aus und die März-Ereignisse scheinen ihr den Rest gegeben zu haben. Es ist uns schwer vorstellbar, daß die neue unendlich grössere Arbeit nun ohne die Mitwirkung Sarah Thon's begonnen werden soll, und wir können nur hoffen, daß ihr Vorbild andere Frauen begeistern wird, in die Bresche zu treten um „mit ihrem ganzen Herzen, mit ihrer ganzen Seele und mit ihrem ganzen Vermögen" dem Aufbau Pclästina's zu dienen und mit vereinten Kräften die Lücke auszufüllen, die diese eine Frau hinterließ. Rahel Auerbach war die erste Frau aus den Kreisen unserer Turnerschaft, die nach Palästina ging, dem Manne ihrer Wahl, ihrem Jugendfreunde Elias Auerbach folgend, als er die „letzte Konsequenz" seines Zionismus zog. In ihrem Hause fand jeder eine gastliche Stätte der nach Haifa kam, im alten Freundeskreise traf man zusammen und hatte sogleich das Gefühl, zu Hause zu sein in Erez Israel. Unermüdlich bedacht war sie auf das Wohl der Ihren und nahm lebhaften Anteil an allem, was den neuen Jischmo betraf. „Wohl dem, dem in seinem Hause wohl bereitet ist" — dieses alte Schriftwort wurde hier zur Wahrheit; als Muster kann die kleine, zarte Frau all den vielen gelten, die jetzt hinausgehen wollen. Zum letzten Male sah ich sie vor 3 Jahren; sie suchte mich auf, ehe ich ins Feld ging *) Siehe „Die Arbeit" Nr. 10/11. Jahrgang 1Q1Q.