Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 10 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 sachliche Aufgaben übernommen hat. Diese Meinung ist in der Turnerschaft, bei allen Gruppen, unbekannt. Es besteht allgemeine Uebereinstimmung darüber, daß die Turnerschaft durch sich selbst nationalisierend wirken, daß sie mit den Mitteln des Turnens und Sports dem nationalen Ziele dienen, daß sie insbesondere auch mit diesen Mitteln am nichtnationalen Judentum für den nationalen Gedanken werben soll. Dieser letzte Punkt wird besonders von der Richtung betont, die den Jugend- oder Erziehung-charakter der Turnerschaft auf dem Turntag bestritten hat. Die erzieherische Tendenz der Turnerschaft kann aber nicht deutlicher als du-ch dieses Ziel zum Ausdruck gebracht werden. Diese Feststellung zeigt, wie widerspruchsvoll die Anschauung ist, die den Erziehungscharakter der Turnerschaff leugnet oder — was wichtiger ist — sich vor der folgerichtigen Durchführung dieses Gedankens scheut; sie kann denn auch keine deutliche Auskunft über ihre Meinung vom Wesen und den Zielen der Turnerschaft geben. Wenn der Erziehungscharakter der Turnerschaft feststeht, so ist es falsch, die Stärke der Erziehung in irgend einem Sinne zu begrenzen. Das aber will die Richtung, die den früheren Vorstand bekämpfte, das ist in Wirklichkeit der Sinn ihrer abweichenden Meinung. Sie will nicht zu viel verlangen, sie will auch diejenigen erfassen, die am nationalen Maßstab gemessen, nicht vollwertige Leistungen vollbringen können. Diese Gedanken sind als Programm eine Unmöglichkeit. Erziehung kann immer nur darauf ausgehen, das erkannte Ziel ganz zu erreichen. Eine Erziehung zur Hälfte des als notwendig erkannten ist innerlich unmöglich und muß scheitern. Sie entwertet ihre Ziele, sie kann nicht das sein, was sie eigentlich doch sein will. Sie ist schon deswegen unmöglich, weil diejenigen, die das Ziel — die nationale Forderung — ganz anerkennen, nicht in einer Gruppe zu halten sind, die sich mit halben und bedingten Zielen begnügt. Sie können nur leben und wirken in Vereinigungen, in denen die Forderung, die sie ganz bestimmt, als bestimmend anerkannt und in vollem Sinne ernst genommen wird. Diese besten Elemente sind aber immer wieder als Träger der Erziehung notwendig, ohne ihr Vorbild gibt es keine ernsthafte Einwirkung. Diese Ueberlegungen zeigen die Notwendigkeit der intensiven, ohne Vorbehalte auf die letzten Ziele gerichteten nationalen Erziehung. Sie werden von der praktischen Erfahrung ergänzt. Wenn die Turnerschaft in den langen Jahren ihrer Arbeit nicht die Bedeu ung gewinnen konnte, die ihr nach dem wertvollen, in ihr verkörperten Gedanken zukommt, so ist der Grund ihre wenig entschiedene Haltung in der Erziehun^sfrage. Sie muß immer wieder zu einer Zwitterstellung führen, sie ist der Grund,-aus dem interessierte und unwillige Mitglieder gehalten werden, deren Vorhandensein dann die Leistungen der Vereine auf jedem Gebiete schädigt. Es muss also mit der intensiven Erziehung Ernst gemacht werden. Dtswegen wird die Wichtigkeit der Jugendarbeit betont. Denn es ist klar, daß hier erzieherische Wirkungen am leichtesten und im stärksten