Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 9 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Originell war ja auch die Auffassung der Einteilung in Klasse A und B durch die einzelnen Vereine. In der Klasse A turnten einzelne Leute, die man nur mit „Krampe" bezeichnen kann, und ich schielte öfter ängstlich nach der Galerie, ob nicht bald ein Hohngelächter der Sachverständigen über derartig krampfhafte Windungen losbrechen würde. Dagegen turnten in Klasse B Leute, die eigentlich hätten disqualifiziert werden ■nüssen, weil sie für die Stufe ein zu hones Können hatten und den jungen Anfängern die ehrlich verdienten Lorbeeren streitig machten. Was sagst Du übrigens dazu, daß sogar Turnwarte in Klasse B mitturnten? Etwas ganz beson(jeres jjarte man sjcn mn der Ausarbeitung des Damen-Dreikampfes ge-!*jstet. Wieso man ihn „turnerisch" nennen konnte, wenn die einzige Geräteübung Kürübung war, und die beiden volkstümlichen Kämpfe sich beim Sport- .s* „sportlich" wiederholten, ist mir ein Rätsel. Berliner Kapazitäten versicherten mir zwar, daß man einen solchen Dreikampf „auch turnerisch" nenne, ""d sie hätten es wahrscheinlich ,auch dann behauptet, wenn alle drei Konkurrenzen volkstümlich aber turnerisch, d. h. z. B. Hochsprung m 11 Brett usw., durchgeführt worden wären. Rein turnerisch sah man im Zwölfkampf bei den Jwübungen keine himmelstürmenden Leistungen. Es war ein mittelmäßiger j-wchschnitt, Kraftübungen waren gut, und das Damenturnen sprach im Verhältnis zum Männerturnen ganz gut an. Die Galerie war gut besetzt, es muß at)er jemand zu der Ansicht gekommen sein, daß man den Zuschauern für das gezahlte Eintrittsgeld zui viel bietet, und man dirigierte daher die Hälfte der 'yegen in den Hof . Vielleicht befürchtete man aucn, daß bei der Anwesenheit?i!er Riegen in der Halle eine zu große Ruhe die Zuschauer beängstigt hätte. J-*er Gesamteindruck der: Leistungen bot ungefähr das Bild eines Bczirkswett- "Jrnens der „Deutschen Turnerschaft". Ich komme nun zum Sportfest. . Den Gesamteindruck will ich gleich vorwegnehmen, und wie Du Dir Qenken kannst, ist es wie jedes andere jüdische Sportfest ein Lauftest geworden. Zu den Vorkämpfen hatte sich wenig interessiertes Publikum ein-!ejuJjden. Um 4 Uhr, dem Anfang der Hauptkämpfe, hatten sich die Tribünen gefüllt, und kurz nach 4 Uhr, beängstigend pünktlich, erfolgte der „Einmarsch aller Teilnehmer" unter den begeisternden Klängen irgend eines deutschen barsches. Die Musik konnte einen Hund jammern. (Schade, daß keiner da Wa0. Die Teilnehmerzahl; war imponierend, die Ordnung geradezu unjüdisch, und der Anblick derartig überwältigend, daß mir beinahe die Tränen in die ■*ugen traten. Mit dem Abmarsch (im Dauerlauf) war es das Wirkungsvoltete aes Tages. Dann begannen die Konkurrenzen. I-ie Wurf- und Sprungleistungen waren mittelmäßig. Gut waren die Läufe wie 100-, 400-, 1000 - m - Vorgajje- ""o das 3000 - m - Laufen. Weit über dem Durchschnitt des bisher Gesehenen waren die Stapelläufe, von denen der Bar Kochba, Berlin, die Olympische in fptnzender Form gewann. Auch die Hamburger Jugendstaffeln konnten sich .enen lassen. Richtiger wäre es gewesen, die Damen eine 4 x 80 - m - Staffel auien zu lassen. Die Tribüne machte bei den Läufen auf mich den Eindruck mer kommunistischen Versammlung, bei der man in der Diskussion durch uien ungeheuren Lärm einen mehrheitssozialistischen Redner niederzuschreien ersucht. Geradezu hervorragend waren die rythmischen djre 1 übungen der Damenriege des Leipziger Bar Kochba h£ Jeider durch den ungeeigneten Rasenboden beeinträchtigt, am Abend holt Preisverteilung aber auf Parkettfußboden um vieles besser wiederip. wurden. Sie hätten mir unbedingt mehr imponiert, wenn sie einer der sp£PZIger Turnbrüder eingeübt und geleitet hätte, trotzdem habe ich mich int g?freut> daß es Nichtjuden gibt, die sich so lebhaft für unsere Sache MHessieren, wie es dieser Leipziger Turnlehrer tut. Die Volkstänze der nadchen und die Schwedentänze der Damen des Berliiner „Bar Kochba" ■ --- «»M V41V. vJV.ll OT UVI m-**4.n» v. «l v* i>wv»ii/» hat rS'n anmutiges, reizvolles Bild. Gott strafe den, der die Musik bestellt w. Die Platzordnung ließ zu wünschen übrig. Da hatte sich eine malerische Tu £° gebildet, die sich photographieren ließ, hier probierte ein talentierter Hali auf den Schubern einer im Grase sitzenden Turnschwester einen landstand, und dort jagte eine kleine Meisterläuferin mit wüstem Geschrei