Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 9 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 zu einem Sportfest notwendigsten Dinge vermissen ließ. ' Das Ausrufen der einzelnen Konkurrenzen sowie der Sieger geschah so mangelhaft, daß nur die am Ziel postierten Zuschauer und Teilnehmer über den Verlaut der einzelnen Konkurrenzen orientiert sein konnten, alle übrigen aber völlig im Dunkeln tappten, wodurch das Interesse an den einzelnen Wettkämpfen sehr herabgemindert wurde, da man allmählich vollkommen die Uebersicht über die einzelnen Konkurrenzen, die Plazierten in den Vor- und Zwischenläufen usw. verlor. Audi die Kampfrichter, obwohl zum Teil geschulte Kräfte, waren sich oft über die einfachsten Regeln im Unklaren. So sollten z. B. im Damen-Weit- und Hocnsprung im Endkampf nur „zwei" Sprünge gestattet werden, obwohl nach der Ausschreibung des Sportfestes die Bestimmungen der „D.S.B.f.A." richtungsgebend sein sollten. Auch das Abmessen der Sprünge geschah recht oberflächlich. Es wurden mehrere Sprünge nicht genau von der Mitte des Endstückes des Absprungsbalkens gemessen, so daß der glänzende Sprung einer Berliner Turnschwester im Vorkampf von angeblich 4,90 m mit Recht von den meisten angezweifelt wurde, und der Kampfrichter (Haas) später selbst seinem eigenen Abmessen nicht Glauben schenken wollte und den Sprung nicht anrechnete. Solche Dinge dürften jetzt nicht mehr bei uns vorkommen! Ueberhaupt gingen die Sprungkonkurrenzen für die Zuschauer vollkommen verloren, da man es nicht für nötig hielt, die Weite jedes einzelnen Sprunges (wie es aut jedem Sportfest geschieht) auszurufen. Nichtsdestoweniger sind gerade im Weitsprung recht achtbare Leistungen gezeigt .worden. In den übrigen Sprungkonkurrenzen 1 (Hochsprung und Stabhochsprung) war es ähnlich. Erst auf mehrmaliges Anfragen der Zuschauer wurde Auskunft über Sprunghöhe .Uf^ gegeben und auch dann nur den an der Sprungstellc gerade befindjicnen Zuschauern. Auch würde es im Interesse einer guten Abwickelung liegfen, wenn die einzelnen Konkurrenzen rechtzeitig in den Umkleideräumen bekannt gegeben würden, da ein Teil der Teilnehmer (besonders bei dem Mangei einer Tribüne) sich stets dort aufhielt, um sich vor den Unbilden der Witterung *J schützen, bezw. die Pausen zur Massage usw. zu benutzten. Was 'die Massage angeht, so hätte man bei der Kenntnis der Wichtigkeit dieser Angelegenheit für jeden Läufer und Springer für einen sportlich icrprobten Masseuir Sorge tragen müssen. Der anwesende Masseur schien auch noch nie Sportsleute massiert zu haben. Er gab sich jedenfalls die größte Mühe, anstatt die Muskeln weich und elastisch zu machen, das Gegenteil z" erreichen. Das 100 - m-Vorgabelaufen war vom Programm gestrichen worden, ohne daß man es für nötig hielt, den einzelnen Vereinen vorher dieses mitzuteilen. Ich halte das Absetzen dieser Konkurrenz für völlig ungerechtfertigt- War Zeitmangel der Grund, so hätten andere Konkurrenzen mit weniger Meldungen (z. B. 400-m - Mal-Laufen) oder die Volkstänze und Schwedentänze der Mädchenabteilung, die in einem geeigneten Saale, bei der Preisverteilung viel besser zur Geltung gekommen wären, als auf dem Sportfeste, abgesetzt werden können. Gerade das 100 - m - Vorgabe-Laufen gibt so manchem jungen Sportsmann, der aas ganze Jahr keine offenen Konkurrenzen gewinnen konnte, die Möglichkeit eines Ausgleiches gegenüber dem besseren Läufer^ unfl somit die Aussicht, auch einen Preis zu erringen. Jeder, der länger Zeit Sport getrieben hat, weiß, was ein Erfolg, und sei er auch nur in einer Vorgabe' Konkurrenz errungen, für die weitere Laufbahn eines Sportsmannes bedeuten kann. Im 1000 - m - Vorgabelaufen waren die Vorgaben viel zu gering bemessen, die Berliner Turnbrüder dabei zu sehr bevorzugt worden. Der Aufmarsdi ließ ebenfalls sehr zu wünschen übrig und fielen mir viele Mitglieder der einzelnen Vereine auf, die es nicht unterlassen konnten, während des Stielteiwes sich laut mit ihrem Nachbar zu unterhalten und bei dem Vorbeilaufen den ZjU' schauern zuzuwinken. Einige von den Hamburger jungen Sportsleutcn, die vor unserer Breslauer Mannschaft liefen, fielen mir hierbei besonders unangenehm auf. Auch auf dem Sportplatz ist Disziplin genau so notwendig, wie aut dem Turnboden! Noch vieles ließe sich. zur Kritik über das Sportfest sagen. Ich will mich aber damit begnügen, besonders da ich weiß, daß ich den Berliner Turnbrüdern damit nichts Neues sage. Ich weiß, daß sie auch ein m u s te rgültiges Sportfest veranstalten können. Warum es diesmal nicht gesenan,