Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 9 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Das Turn- und Sportfest. Das Turnfest am 22. August in Berlin anlasslidi des VIII. Turntages. Als man am trühen Morgen des 22. August die Turnhalle in der Sybelstraße betrat, sah man die Wetturner schon wie wild „proben". Schon im Februarheft der Jüdischen Monatshefte für Turnen und Sport hatte ich in meinem Artikel „Das Wett-Turnen" darauf hingewiesen, wie unsinnig ein derartiges „Proben' ist. Man Verschwendet nur seine Kraft hierbei, die man später beim Wetturnen dringend gebraucht. Klappte beim „Proben" die Uebung nicht, so wird mau obendrein nervös und führt später beim Wettkampf die Uebungen unsicher aus. Erfreulicherweise hielten sich die Berliner Turner und Turnerinnen von diesem Treiben fern. Nach dem Kommando „Antreten" ordneten sich schnell die Reihen der Turner und Turnerinnen und marschierten mit dem alten Turnerwettkamplied stramm in die Halle. Schnell bildeten sich die Riegen. Den Turnern stand es frei, sich in ihrer Klasse die Riege zu wählen. Mit großer Freude und Genugtuung konnte man bemerken, daß die besten Turner der Klasse A sich in eine Riege stellten. (Von den 7 Siegern der Klasse A befand sich nur der 6. Sieger in der anderen Riege). Dies zeigt, daß die Turner es lieber vorzogen, Anregungen zu erhalten und einen harten Kampf zu bestehen, als in einer weniger guten Riege die anderen bei weitem zu überragen und hierdurch vielleicht die Wertung der Schiedsrichter zu beeinflussen. Nun zum Turnen selbst. Leider kann ich mich nur über das Turnen der Klasse A (gute Riege) aussprechen, da ich in dieser am Wettkampf teilnahm und andere Riegen nicht beobochten konnte. Die Pflichtübungen an den Kunstgeräten waren nach meiner Ansicht viel zu leicht, so daß der Unterschied zwischen der Güte der einzelnen Leistungen nicht klar genug zu Tage trat. So kam es auch, da<ß die volkstümlichen Uebungen entscheidend für den Sieg waren, zumal sie je 20 Punkte als Höchstleistung gewährten, während am Gerät für je 1 Uebung 10 Punkte als Höchstzahl erreichbar waren. Trotzdem gab es eine Reihe Turner, die selbst die Pflichtübungen nicht einmal beherrschten. Bei der Preisverteilung wurde gerügt, daß hervorragende Turner von ihren Vereinen für Klasse B gemeldet waren, die unbedingt in Klasse A hätten antreten müssen. Ebenso scharf muß aber auch verurteilt werden, daß Turner, die die Pflichtübungen nicht beherrschen, in Klasse A mitturnen. Die Pflichtübungen waren flüssig und folgerichtig aufgebaut, uno eine Anzahl Turner hatten auf ihre ästhetische Durcharbeitung gute Sorgfalt verwendet, um aus den Uebungen alle schönen und gefälligen Bewegungen herauszuholen. Schwierigkeiten ergaben sich zeitweilig daraus, daß die Ausschreibung der Pflichtübungen nicht klar genug erfolgt war, jedoch ließen die Schiedsrichter äußerste Milde walten und erzielten rasch eine Einigung zwischen Wetturnern und Schiedsgericht. Die Kürübungen zeigten diesmal keine besonderen Leistungen. Erstaunlich war die Anzahl der Versager. Besonders schwach war das Pferdturnen. Kür* Übungen müssen von dem Wetturner zu jeder Tages- und Nachtzeit mit über 2/« der erreichbaren Punktzahlen geturnt werden. Sie dürfen daher nicht zu schwierig sein und die Kräfte nicht bis aufs Aeußerste anspannen. Wie der Autbau einer Kürübung vorzunehmen ist und welche Gesichtspunkte maßgebend sind, habe ich bereits im Februarheft ausgeführt. . Ab ich mich mit einem unserer besten Turnkenner über unser WetttuTie" unterhielt, sagte dieser, daß eine besondere Freiübung für Klasse A und B nicW angebracht sei, da die Vereine unseres Verbandes Freiübungen nur als Oemeinübungen der ganzen Abteilung turnten. Leider trifft dies zu; man findet oft, daß die Freiübungen auf unsere guten Turner langweilig wirken und ungw^n ausgeführt werden. Es gibt jedoch eine Fülle schwieriger und interessanter Freiübungen, die die Einführung der Freiübungen im Riegenturnen wünschenswert erscheinen lassen.