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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 9 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
9 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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14 Jugendbewegung — oder was sonst? Von Ernst Simon I, Heidelberg. Es ist genug gesagt worden. Will man uns heute noch einmal hören, so kann nur Wiederholung die Folge sein. Immer und immer wieder müssen wir unsere Meinung mündlich und schriftlich vortragen, bis man uns den Mund verbietet — oder bis man uns folgt. Also zum tausendsten Male: I. Turnen und Sport sind nicht Selbstzwecke, sondern Mittel zum Zweck. Wir wollen den Charakter durch die körperliche Ausbildung erziehen, nicht den Geist unter die Herrschaft des Körpers knechten. Unser Ziel ist der Neuaufbau des jüdischen Volkes und Landes. Dies nennt man Nationaljudentum oder Zionismus. Alles andere ist Phrase. II. DieTurnbewegungmussJugendbewegungwerden. Das heisst nicht: alle über 20 oder 30 oder 40 Jahre hinauswerfen. Aber es heisst: . vor allem Jugendliche werben. Denn nur sie sind noch wirklich zu ändern und zu erfassen. Nur sie werden wir soweit bekommen, dass sie nach Erez Israel gehen. Mitläufer haben wir jetzt genug. An Menschen aber fehlt es. — Und weiter heisst das nicht: alle Männerabteilungen auflösen, oder: alle Frauenabteilungen auflösen. Aber es heisst: Wenn wir keine Führer für unsere Jugendabteilungen haben, lieber die Erwachsenen — als unseren Nachwuchs aufgeben. Es heisst: sich im Notfalle lieber für die Zukunft als für Vergangenheit'und Gegenwart entscheiden. Und drittens heisst das nicht: Von allen, die eintreten, das Bekenntnis zum Basler Programm verlangen. Sondern: Unsere jungen Menschen zu lebendigem Judentum erziehen. Durch Sport, durch W a n d e r n, durch Heimabende, durch Beispiel und Vorb i Id. Dazu gehört, dass unsere Jugendführer Beispiele werden. Sich abwenden vom üblichen Lebenswandel des jüdischen Akademikers oder Kaufmanns und sich erfüllen mit jüdischem Gefühl und jüdischem Wissen. - Wobei das lew*) noch wichtiger ist als der sechel*). III. Die Turnbewegung muss intolerant werden. Dies heisst nicht: Den „Turnerfimmel" haben. Oder: sich der eigenen „Disziplin" wegen über den Blau-Weiss oder — was kaum minder anspruchsvoll ist — auch nur neben den Blau-Weiss zu stellen. Wo sind unsere Landwirte? Unsere Hebräisch Sprechenden? Unsere Pioniere? Nein — Aber es heisst: Den Ballast über Bord werfen, der unser Schiff zu Boden drückt. Herauswerfen jeden; der nicht mitmacht. Sei er jung oder alt (meist wird er — in der Praxis — alt sein). Es heisst: wieder klein, wieder bescheiden, wieder solide werden. Es heisst: verzichten auf die grossen Zahlen, die uns und ") hebr. „Herz", „Verstand".

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