Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 9 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/6492385-5965084-5965417--796-4923578- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
15 die anderen belügen. Aber genug davon: Arthur Stein schrieb dies alles erst jüngst mit grosser Deutlichkeit. Die Toleranz hat uns reich gemacht, amputiert dem Kranken das vergiftete Glied und er wird leben. — Mehr ist nicht zu sagen. Ihr seht: Ich bin scheinbar bescheidener geworden. Es steht hier kein Wort von Hebraisierung, von Zionisierung, von Radikalisierung. Nicht, weil diese Ziele aufgegeben sind; auch nicht, weil ich sie zurückstellen will. Sondern weil sie praktisch enthalten sind in den 3 Punkten da oben. Eine Jugend, der Turnen und Sport nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum nationalen Zweck ist, die ist zionistisch oder sie wird es. Eine Jugend, die Jugend ist, die ganz ist in ihrer Menschlichkeit, die fühlt bald, dass hebräisch dazu gehört. Einfach dazu gehört. Sie fordert als eigene Forderung, was vorher fremde Forderung war. Eine Jugend, die jene grosse Tugend der Intoleranz gelernt hat und übt, die ist im besten Sinne radikal. Also .... Was die Turnbewegung sonst werden soll, ist mir unklar. Was heisst „Volksbewegung"? Ein Sammelbecken der Halben? Ein Klub zionistischer Philister? Ein Vereinsbonzentum mit Kowed-Posten? Ich hoffe, wir bedanken uns alle dafür. „Meiner Ansicht nach nämlich steht es nicht so, dass ein tüchtiger Leib durch diese seine Tüchtigkeit auch die Seele gut macht, sondern umgekehrt, dass eine rechtschaffene Seele durch ihre Tüchtigkeit dem Leibe die denkbar beste Ausbildung gibt." Dies ist das A. und O. Ihr seht: Schon Plato wusste es, der — ganz ähnlich wie Demokrit — diese reine Meinung im „Staat" ausspricht. Er lässt im dritten Buch seinen Meister und Lehrer Sokrates so sprechen, wie ich eben zitierte. Man wird diesen Aufsatz wieder — wie manche Rede — hetzerisch und lieblos, provokatorisch und anmassend finden. Seis drum! Jetzt tut uns die Wahrheit not und wenn sie noch so bitter ist. Hinweg mit dem flauen Verwischen der Gegensätze! Fort mit allen, die weiter Verschleierungspolitik treiben! Hinaus mit den Halben und den Schwächlingen! Wir schreien nach Klarheit, nach Ehrlichkeit, nach heller, jüdischer Tat! Gebt sie uns, Ihr neuen Führer und wir alle geloben Euch dankbare und tätige Gefolgschaft. Gebt Ihr sie nicht, so fürchtet unsere Kritik. Denn: amicus Plato, magis amica veritasl Dies heisst: Ich liebe Plato, mehr liebe ich die Wahrheit! Und. bedeutet hier: Wir lieben jeden einzelnen Turnbruder, mehr aber die Turnerschaft. Vor der Person steht uns die Sache! 9