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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 9 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
9 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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12 Vielmehr sollte aus der Situation gelernt werden: von den Vereinen, daß von einem Vorstand noch so guten Willens nicht das Heil zu erwarten sei; von den bisherigen Vorstandsmitgliedern, daß sie den Anforderungen und Bedürfnissen der Turnerschaft nicht gerecht geworden sind. , _ .In der Tat ist die Situation der J. T. gründlich verkannt worden. Die J. T. ist ihrem Wesen nach nicht geeignet für eine zentr al istisCh arbeitende Organisation. Derart kann nur eine Gesellschaft, die nach Alter, Bildung, Interesse und Möglichkeit der Beeinflussung streng homogen ist, verwaltet werden, wie vielleicht die Studentenschaft. Und auch da ist die Frage durchaus unbeantwortet, ob die dezentralisierende Form der Verwaltung nicht Besseres leiste. Es sollte zu denken geben, daß eine so einheitliche Bildung wie eine Armee immer (noch) von kleinen Einheiten ausgeht, die völliges Eigenleben führen. Eine auf lange Zeit berechnete, gar mit Erziehungsaufgaben schwer beladene Organisation wird nur dann fähig sein Ersprießliches 5t« «eisten, wenn ihr Aufbau organisch von den Gliedern aus erfolgt, iwenn ihren wechselnden und abgestuften Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Die z e n t r a 1 i s t i s ch e Organisationsform wird dann angebracht sein, wenn es gilt» eine klar umrissene Aufgabe, gewöhnlich befristet, innerhalb einer für sie s t i m m u ngs m ä ß i g schon vorbereiteten Menge durchzuführen. _Fur 'die J. T. gibt es nur die Form der dezentralisierenden Organisation. Die Erkenntnis, daß alles auf den Betrieb in den Vereinen ankommt, ist allgemein. Daher die als selbstverständlich empfundene Annahme der Holzerschen Bezirke. Aus allem folgt, daß der Vorstand der Turnerschaft nur dazu berufen sein kann, in wirklich allen Vereinen gemeinsamen Angelegenheiten — (Vertretung nach außen, Vorbereitung von Tagungen anläßlich von Leistungen, die von allen gemeinsam getragen werden müssen oder können: Turnzeitung, eventl. Turnlehrer, Turnliteratur — anregend und vor allem geschäfteführena voranzugehen. Das scheint mir ein hinlänglich großer Aufgabenkreis zu sein. Hingegen gehört durchaus nicht in das Gebiet des Vorstandes die Sorge und die Verantwortung für das innere Leben, für den Ablauf der tendenziösen Entwicklung i» den Vereinen, sofern sie nicht augenfällig aus dem Rahme» des Ganzen herausfallen. Der Vorstand in der J. T. wird ledig"'«* eine Verwaltungsstelle sein dürfen; nie darf er dahin kommen, sich als „Behörde" zu' fühlen, die Qualifikationen austeilt und Moral predigt. Um die nie auszuschaltende Einseitigkeit der Beeinflussung eines Milieus wie Berlin zu beseitigen, schlage ich vor, den Vorstand jährlich bei den Vereinen wechseln zu lassen, wie das heute noch bei fast allen Studentenorganisationen vn& wohl auch vielen Sportvereinigungen üblich ist. Bodenständig sollt» nur ihrer Art naCh schwerfällige Institutionen bleiben, wie die Kasse und die Zeitung. Die Bedenken, welche gegen den Vorschlag, dessen positive Seiten ich hier gar nicht einmal ausführlich darstellen will, geäußert werden, sind nur aus Trägheitsmomenten geboren. Da ich, wie gesagt, nicht an die formbildende Kraft eines Vorstands glaube, mag die Zurückhaltung des Turntags in dieser Frage nicht tragisch genommen werden. Die Einsicht für #»* Zutreffen meiner Ansichten wird sich bald verallgemeinern. Viel ernster nehme ich eine Erscheinung, die mit allzuviel Temperament — auch von m. Seite — auf dem 'Turntag behandelt wurde: die Frage» ob das Tätigkeitsfeld der B.K.-Arbeit eingeschränkt, d. h. auf die Jugendarbeit beschränkt werden sollte, selbst unter Auflösung unserer Herren- und Damenabteilungen. Ich möchte versuchen darzulegen, daß dieser Standpunkt zwar bequem aber unfruchtbar ist, zwar konsequent im Sinne der Sekte der Intensivier», die auch bei uns zu gern ihr Kukuksiei ablegen möchte, aber gefährlich ««" unsere gesamte Tätigkeit. Nur eine leidenschaftslose Betrachtnng unserer Arbeitsbedingungen, richtige Einschätzung unserer Kräfte im Verhältnis

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