Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 7/8 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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41 Zur Frage der Bcimabeode. Von Sami Silbermann, Hamburg. Im Juniheft der Turnzeitung berichtet Juliusburger über die Gestaltung der Heimabende im Breslauer J. T.-V. Bar Kochba. Seine Ausführungen veranlassen mich, ein paar Worte dazu zu sagen. . Zunächst einiges Prinzipielle. — Die jüdische Turnerschaft ist «in Teil der neuen jüdischen Jugendbewegung. Sie bedeutet eine Abkehr von der Art jüdischen Jugendlebens, das nur ein Sich-Vergraben hinter Büchern und Sich-Verstecken vor selbstverständlichem, fröhlichem Leben, nur Grübeln und Spintisieren kennt. W i r sehen darin eine Krankheitserscheinung am Körper des jüdischen Volkes, eine Folge jahrhundertelangen Lebens hinter den Mauern des Ohetto, und wir betrachten es als unsere Aufgabe, wieder eine jüdische Jugend, im eigentlichen Sinne des Wortes zu schaffen, sie zu unbefangenem Leben und zwanglosem Leben, zu harmonischer Entwicklung aller Kräfte des Körpers und des Geistes zu erziehen. Daran mitzuwirken ist die eine Aufgabe der Heimabende. Und zweitens: Es handelt sich um Heimabende der jüdischen T u r n e r schaff, nicht irgendeiner nationaljüdischen Jugendorganisation. Das muß klar zum Ausdruck (kommen. Man dient der Gesamtheit am besten durch nachdrückliche Pflege und Entwicklung seiner Eigenart. Dieses Moment muß auf die Gestaltung unserer Heimabende stark einwirken. Es darf ferner nicht unberücksichtigt bleiben, daß sich in den Reihen .unserer Vereine sowohl im Geiste der Bewegung tief Verzweifelte wie auch \Neulingc befinden. Darüber darf man nicht hinwegsehen und glauben, Heimabende schaffen zu können, die in gleicher Weise den einen wie den andern Anregungen und Erkenntnisse, Freude und Befriedigung, eine Erweiterung ihrer jüdischen Werte bieten. Für beide Teile muß eine ihnen entsprechende Form gefunden werden. f Wenn ich (nun zur Frage der praktischen Ausgestaltung der Heimabende komme, so ergibt sich aus dem zuletzt gesagten von selbst, daß ich der v°n Juliusburger vorgeschlagenen riegenweisen Abhaltung der Heimabende nicht restlos zustimmen kann. Gewiß mag dieses System manche Vorteile haben; vornehmlich wird es dort am Platze sein, wo eine Riege an <Mter und Reife einigermaßen einander entsprechende Turner umfaßt. Ich kann mir aber sehr wohl Verhältnisse vorstellen, in denen die oben angedeutete Verschiedenheit des nationaljüdischen Entwicklungsgrades der Einzelnen zu §Toß «st, als daß jenes System mit Erfolg angewendet werden könnte. In diesen Fällen erscheint es mir richtiger, die Heimabende getrennt, je nach dem Grade des Fortgeschrittenseins, für Zueinandergehörige abzuhalten. Jeder wird selbst fühlen, in welchen Kreis er gehört, wo er am meisten empfängt. Dann w»rd auch nicht über mangelnde Beteiligung oder Interesselosigkeit zu klagen sein, wenn jedem ein Heimabend zur Verfügung steht, der s e i n e n individuellen Bedürfnissen entspricht. So werdfn auch die Nachteile des Riegen- Heimabend-Systems vermieden, die in einer Entfremdung der Riegen untereinander bestehen. Dann sind vielmehr die Heimabende ein gemeinsamicr Ueberban über die im Turnerischen getrennten Riegen. Im gleichen Maße etwa, wie besondere Heimabende der Jüngsten — wie es auch Jullusourger betont — notwendig sind, muß den verschiedenen Erfordernissen aller 'eile Rechnung getragen werden. Nun zum Inhalt dieser Heimabende. Es scheint, als ob Juliusburger ihre Eigenschaft als J. T.-V. - Veranstaltungen nicht immer klar genug zum Bewußtsein kommt. Nach den oben aufgezeigten Grundsätzen handelt 5S sich um zwanglose Zusammenkünfte der nationaljüdischen Turner, die sie |«r jüdischen Turnerschaft und ihrer Idee näher bringen und ihnen eine ijtunde unbefangenen jüdischen Lebens bieten. Nur scheint es mir für sokshe Turnerschafts*leimabende nicht recht am Platze, daß dort unter schweren ■Mühen und mit Hilfe dicker Bücher zu Hause zusammengesetzte Referate