Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 7/8 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Es wird zwar selten vorkommen, daß Leute den Betrieb von Leibesübungen unmittelbar mit tüchtigem Trainieren beginnen, fast alle, die sich zu einer größeren Leistung entschließen, werden bereits eingewöhnt und geübter sein, doch kann es vor manchen nicht oft genug hervorgehoben werden, daß der Uebergang aus einem an größeren körperlichen Anstrengungen freien Alltagsleben zum entbehrungs- und arbeitsreichen Trainieren nicht plötzlich erfolgen darf, sondern schon einigermaßen vorbereitet. Wir nennen dieses Uebergangsstadium das „V o r t r a i n i e r t s e i n". Beachtet man diese Kegel nicht, so treten heftige Ermüdungserscheinungen und ein vorschnelles V ersagen der Muskelkraft auf. Die Summe der zu leistenden Muskelarbeit ist allmählich zu erhöhen, aber immer nur so weit, daß sie einerseits mannigfache und reichliche Betätigung fordert, andererseits aber die Ermüdung nicht zu einem ürade steigert, der eine Unterbrechung der regelmäßigen Uebung notig machen könnte. .„. , Bei ieder Uebungsart, sei es Schwimmen, Rudern, Radfahren, Springen, Werfen usw. ist darauf strengstens zu achten, daß die Atmung und der Blutkreislauf zur größtmöglichen Arbeitsfähigkeit gebracht werden. Diejenige Uebung aber, die dazu am meisten beiträgt, ist der Lau f. Es ist daher angebracht, neben allen anderen Betätigungen auch dieses Training zu betreiben. Die durch das Laufen geleistete Arbeit bewirkt auch eine Einschmelzung der Fettmassen zwischen den Verdauungsorganen und in den Bauchwanden. Dadurch wird die Atemtätigkeit, namentlich die Zwerchfell atmung außerordentlich erleichtert. Die Einatmung soll nicht nur in reiner Luft, sondern womöglich auch im Freien stattfinden. Es ist bekannt, daß der Einfluß von Licht und Luft auf die Bildung roter Blutkörperchen von großer Bedeutung ist und daß ein solches von Sauerstoffträgern reiches Blut die Herzkraft wesentlich schont und zu größeren Leistungen befähigt. Es ist also auch darauf zu achten, daß während der Zeit des Trainierens dem Gesagten durch Rauchen nicht entgegengearbeitet wird. Ebenso wichtig wie die Uebung an sich und die Herz- und Atempflege tur da* Trainieren ist die r i c h t i g e Kost. Sie hat auf der einen Seite dem Korper die überflüssigen Gewebsbestandteile zu entziehen und ihn fett- und wasserarmer zu machen, auf der andern das Verdrängte durch kraftgebende Muskelsubstanz neu zu ersetzen. Diesem Gesichtspunkte hat in der Hauptsache die Nahrungsaufnahme zu entsprechen. Sie muß reich sein an Kohlehydraten (Zucker) und Eiweißstoffen zum Ersatz des aufgezehrten und zum Ansatz des neuen Muskelstoffes, sie muß weniger fettbildende Substanzen enthalten als die gewöhnliche Speise. Es bedarf wohl noch kaum hervorgehoben zu werden, daß der Genuß alkoholischer Getränke unbedingt unterbleiben muß, da diese, abgesehen von ihrer Eigenschaft lähmend auf die körperliche und geistige Energie einzuwirken, in ihrer Rolle als Sparmittel zum Ansatz störenden Fettes beitragen. Auch die allgemeine Flüssigkeitszufuhr hat auf das Mindestmaß eingeschränkt zu werden, damit der Korper „entwässert", das Blut eingedickt und die Herzarbeit erleichtert wird. Man muß wissen, daß die Sauerstoffzufuhr um so leichter und die Herzanstrengung u"1 so geringer ist, je mehr rote Blutkörperchen in einem gegebenen Volumen Flüssigkeit bei jedem Herzschlage in die Schlagadern gepreßt und dem arbeitenden Muskel zugeführt werden können. Zur Entwässerung trägt außerdem auch noch der ohnehin schon starke Schweißverlüst während der Üebungen bei. Manche wenden sogar zu diesem Zwecke Dampf- und Heißluftbäder an, um sichmöglichst große Schweißmengen abzuzapfen. — Bei all diesen Vorschriften muß natürlich ein Maß eingehalten werden, sonst tritt eine iallzu hohe Gewichtsverminderung des Körpers und eine Gesundheitsgefährdung ein. In diesem Zusammenhange sei auch erwähnt, daß die Enthaltung von geschlechtlichen Aufregungen für ein nützliches Trainieren ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Zu hüten hat man sich vor dem sogenannten Zustand des „U e b e r - tramiertseitis", der aus zweierlei Gründen eintreten kann: 1. durch eine zuweilen krankhafte Störung des Stoffwechsels, welche die Abnahme der erworbenen Muskelkraft und Leistungsfähigkeit zur Folge hat,