Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 7/8 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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35 formig und wollte dem Körper durch verschiedene Geräte wie Reck und Barren Gelegenheit geben, sich eine außerordentliche Vielseitigkeit an Bewegungen anzueignen, die in erster Linie stark erzieherischen Einfluß auf die 'urner ausüben sollen. Das Turnen in den deutschen Schulen und Vereinen nach Spieß geht von der Bewegungs möglichkeit aus. u R >o t h s t e i n als Verfechter des schwedischen Turnens geht (yon dem Bewegungs zweck aus. Spieß verallgemeinert, Rothstein vertieft sich in die Uebungen. Diesen letzten Eindruck mußten nun auch die Zuschauer der genannten Veranstaltung gewinnen. Man sah zwar nur einen Ausschnitt, einen kleinen Umriß des "1 urnsystems in Schweden^ aber die Uebungen waren .alle anatomisch durchdacht; jede Uebung hatte ganz bestimmten Zweck. (Das Ling'sche System bereitet zunächst den Körper durch einleitende Uebungen vor, führt von leichteren zu schwereren Uebungen und stellt endlich die höchsten Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Organismus, um dann nachher den Turner Qurch ableitende und Atmungsübungen wieder zur Ruhe und Ordnung zu rühren). Die Darbietungen waren keine Bravourleistungen, keine Glanznummern, ~Je man durch einseitige Uebung erreicht; alles, was man sah, verriet aber eine harmonische Durcnbildung, die sich bei allen Turnern in gleichem Maße feststellen ließ. Vom praktischen Turnen und Sport. Physiologisches vom Trainieren, Von S. Muntner, J. T.-V. Bar Kochba — Berlin. Wer körperliche Höchstleistungen auf einem einzelnen oder auf verschiedenen Gebieten leiblicher Betätigung erzielen will, bedarf einer entsprechenden V o r b er e i t u n g, die man Trainieren nennt. Es kommt Qabei darauf an, die Muskelenergie zur größtmöglichen Leistungsfähigkeit zu entwickeln, die Ermüdbarkeit dagegen aut das geringste Maß herabzubringen.!-?as erreicht man nicht durch regelmäßige Uebung allein, — unter der man •rainieren oftmals schlechthin versteht — sondern nur dann, wenn sich zu fieser eine entsprechende sonstige Lebensführung gesellt. Werden beide Bedingungen eine Zeitlang in gleichem Maße erfüllt, so sprechen wir davon, Qaß der Körper in den „trainierten Zustand" gekommen ist, d. h. in j*}e bestmögliche Verfassung, bestimmte Leistungen bewältigen und?.le dazu nötigen Anstrengungen ohne Schädigung ertragen zu können. Dem Untrainierten können bei ungewohnter Anstrengung sehr oft Zufälle passieren.?'e eine Störung der Gesundheit, ja eine Gefährdung des Lebens hervorzurufen imstande sind. Denken wir an die Gefahren, die ein schneller Wettlauf über größere Strecken auch dem besten Gerätturner zustoßen können, geschweige dann dem völlig Ungeübten. Wer sich einem regelmäßigen Trainieren unterwerfen will, sollte sich vorher von einem Arzte daraufhin untersuchen lassen, ob Herz und Lungen gesund sind und sich fragen, ob er auch nicht an ausgesprochener Blutarmut oder allzu reizbarer Nervenschwäche leidet; denn solchen Leuten kann ein durchgehendes Training oft viel mehr schaden als nützen. Man muß Wl^sen, daß zu Beginn der Einübung der Körper an Reservestoffen (besonders k zur Kräfteerzeugung verbrannt und eingeschmolzen «erden, rapide abnimmt. —.Was das Alter anbetrifft, so sollte mit einem a 11 g r e i f e 11 d cn rainicren vor voller Entwicklung des Körpers nicht begonnen werden. Am besten geeignet sind hierzu junge Leute vom 18. -30. Lebensjahre. Ju.ngeren kann es oft schaden; denn bei ihnen i*t d;is Fettpolster der Haut noch so dürftig, ebenso älteren, bei denen dieses schon so stark ausgebildet ist, daß ein regelrechtes Trainieren binnen sehr kurzer Zeit eine bedeutende Gewichtsabnahme verursachen kann, die nicht von allen gleidi gut ertragen wird.