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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 7/8 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
7/8 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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28 wachsenden Organisation zusammenzuführen, wollte man bei Gründung »ter Turnerschaft schnell etwas Fertiges, Großes hinstellen. Die «inen wollten die deutsche Turnerschaft, die anderen den Bund Jüd. Korporatione/n schnellstens nachmachen. Wer versuchen würde, eine Riesenfabr* oder fem großes Warenhaus sofort in dem letzten denkbaren Stadium zu gründen, wird immer Schiffbruch erleiden. Genau so ist es mit Organisationen. Die müssen aus sich selbst herauswachsen. Die — sehr verständ- 1 L T Un£eduld hat s'ch bitter gerächt. Sie ist Schuld daran, daß wir in 20 Jahren nicht wesentlich vorwärtsgekommen sind. Ohne diesem Gedanken allzuweit nachzugehen, wollen wir aber alles tun, um gründlich Abhilfe z" schaffen. Hierbei sind meines Erachteiis folgende Gesichtspunkte und Maßnahmen in Erwägung zu ziehen: 1. Die schwerste Belastung für einen Verein besteht in den untätigen, lässigen Mitgliedern, die turnerisch oder iüdisch kein Interesse aufbringen, die nur die Zeit der Tätigen in Anspruch nehmen dadurch, daß diese von ihnen Berträge einzuziehen suchen oder ihnen Briefe schreiben, die unbeantwortet bleiben. Man muß sich «mächst von dem Aberglauben befreien, daß die Zahl der Mitglieder die Hauptsache sei. Als einer, der immer und uberall für die Propaganda eingetreten ist und gearbeitet hat, darf ich mir die Feststellung erlauben, daß die Steigerung der Zahl erst die zweite Stufe der Entwicklung sein kann.») Auf der ersten Stufe handelt es sich um die wichtigste Aufgabe: Die Leute, die man vorerst erreichen kann und die brauchbar sind, zu führenden Menschen, nicht zu „großen Führern", sondern z" bescheidenen Unterführern, zu einer Kerntruppe zu erziehen. Hierbei, wie übrigens auch später bei der Propaganda, sind 10 durchschnittlich gute Leute wertvoller als dieselben 10 mit einer Belastung von 5 oder 10 weiteren schlechten Leuten. Erst nach Durchbildung dieser „Kcrnriuppen" kann die Ausbildung der Organisation ins Massive, ins Breite als Ziel gesetzt werden. Soweit ich übersehe,' ist der Ruder-Verein J. St.-Berlin — und neuerdings auch der Sport-V. J. St.— die einzige Organisation, deren Führer diese Gedanken von Anfang an klar erkannt und zu Richtlinien für die planmäßige fcntwicklung des Vereins genommen haben. An anderen Stellen, an denen nicht derartig gearbeitet wurde, mögen günstige Umstände mnd glückliche Zufalle einen gesunden Verein hervorgebracht haben, der nun ohne weiter« zu einer großzügigen systematischen Propaganda übergehen mag. Die Mehrzahl der Vereine und die Turnerschaft als solche ist heute zu der wünschenswerten Erweiterung nicht fähig, weil bereits eine derartige Ueberlastung durch die untätigen Elemente, Einzelpersonen sowohl als auch ganze Vereine, vorhanden ist, daß weiterer Zuwachs gar nicht verdaut werden kann Da man die zweite Stufe betreten wollte, ohne die erste betreten zu haben, taumelt man jetzt vom Rande der zweiten hinunter; man wird gut tun, sich zur Herstellung des Gleichgewichts mit beiden Füßen zunächst auf die untere Plattform zu begeben. Das heißt: man muß Kvieder von vorne anfangen. Der Entschluß map schmerzlich sein, er führt aber binnen kurzer Zeit zu einer Sanierung. Also! Befreiung von der Belastung, von den untatigen, faulen Elementen. In den Vereinen müssen sich die energischen, tätigen Leute zusammentun und für die Mitglieder sozusagen Mindestforderungen in jüdischer, sportlicher, vereinstechnischer Beziehunf aufstellen. Es ist unnötig, zu betonen, daß es nicht genügt, wenn ein Mitglied *) Vgl. den Artikel von R. Schönheimcr in den beiden letzten Nummern- (D. Red.) Denke stets an Deine

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