Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 6 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 bereitete schwierige Uebungen schrecken den Turner nur ab und erfüllen ihn mit Unlust. Die Wichtigkeit und der Nutzen der Freiübungen verlangen darum Interesse für sie. Sie sollen einen notwendigen Bestandteil des Turnens bilden. Keij Turner sollte sich ihnen entziehen, selbst nicht ein Gipfelturner. UmbliA Id der beidifalhletifc. Von Max Kikoler, Bar Kochba - Berlin. Unserer Arbeit sind den neuen Gesichtspunkten entsprechende neue Weg* gewlesen worden, und wenn die praktische Anwendung der vielen guten Vorsatze mit derselben Intensität betrieben wird, die unsere Programmatiker in der Theonea ufgewendet haben, so wird der Erfolg unser sein. Es scheint jedoch nicht nur notwendig, den großen Rahmen, in bezug auf Tendenz und Arbeitswege im Auge zu behalten, sondern auch der Kleinarbeit, innerhalb, de* praktischen Turnens und Sports mehr Aufmerksamkeit als bisher zu schenken, etwas, was unsere Leichtathleten trotz jahrelanger Betätigung nur vereinzelt erreicht haben, ist die Durchführung eines systematischen Trainings. Wohl fanden sich hier und da Ansätze zu einem solchen bei einigen ganz besonders Te.r*"li}Bten M,tgliedern> die große Menge jedoch überließ man einem frischfröhlichen „Naturtraining", bei dem jeder nach seiner Fasson selig werden konnte. Der Erfolg war, von einigen guten Entwicklungen abgesehen, der, daß viele von denen, die den guten Willen und zum Teil auch ansehnliche körperliche Fähigkeiten mitgebracht hatten, infolge der andauernden Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen, die ganze Sache an den Nagel hängten. Der Kardinalfehler liegt in den meisten Fällen in der vollständigen Verkennung: des Trainingszwecks. Ein Trainingsabend bei uns bietet etwa folgendus B,'JSl: D,e~ sPru"er messen ihre Kräfte in fünf bis sechsmaligen Läufen über 100 m. Die Mittelstreckenläufer übertreiben in derselben Weise durch zu viele Spurts. Bei den Sprung, und Wurfübungen fehlt jede verständige Ueberlegung, bezüglich Ausnutzung des Anlaufs, Technik des Sprunges bzw. Wurfes. Ungeheure Mengen Energien werden nutzlos verschleudert, und das Ergebnis eines solchen Trainingsabend ist körperliche Erschöpfung, ohne etwas dabei gewonnen zu haben, als die Erkenntnis, nicht weiter gekommen zu sein. E« wird viel gekämpft und wenig geübt, ein Fehler, der leider auch bei den wirklichen Konnern zu beobachten ist und in weichem der Grund für das plötzliche Versagen von Sportgrößen zu suchen ist. Training heißt: den Korper durch systematische Uebung allmählich so zu entwickeln und zu kräftigen, daß er ansteigend zu immer größeren Leistungen befähigt wird. Dies gilt namentlich iin bezug auf die inneren Organe, die daran gewöhnt werden müssen, den auBerordentlichen Anforderungen, die ein ernster Wettkampf an sie stellt, genügen zu können. Es führt zu keinem Erfolg, wenn man vier Wochen wfu? 'mmer wieder versucht 400 m in 54 Sekunden zu laufen oder an jedem 'Abend zwanzigmal springt, um doch vielleicht einmal über 6 |m zu kommen- Das ist nicht der Weg zur Leistung, sondern zum Rückgang. Das Ziel ist nur durch regelmäßiges, methodisches Ueben zu erreichen, — „methodisch" nicht in dem Sinne, daß man nun alle nach einem Schema auszubilden versucht, was bei der Verschiedenartigkeit der körperlichen und geistigen Eigenschaften unbedingt zu verwerfen ist, sondern, daß jeder, unter besonderer Berücksichtigung seiner Individualität, seiner Fähigkeiten und nicht zuletzt seiner Mangel, entsprechende Regeln bei seinem Training beobachtet. Die erste Forderung, die gestellt werden muß, bevor an' irgendeine Spezialisierung! gedacht werden kann, ist die allseitige Kräftigung und Durchbildung des Körpers. Diejenigen, die durch jahrelanges Turnen als Knaben und Jünglinge zum Sport gelangen, bringen zum Teil schon diese Durchbildung mit. Was ihnen in der Regel mangelt, besonders im Minblick auf das Laufen, sind Ausdauer, Zähigkeit und der Wille, der dem Korper das letzte abzutrotzen vermag. Nichtsdestoweniger werden sie in ungleich kürzerer Frist als andere, die nie geturnt oder Leibesübungen ge-