Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 6 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Schon aus diesem Grunde ist das Verhältnis zum Stammverein so locker wie möglich zu gestalten. Durch allzu häufige gemeinsame Veranstaltungen mit diesem wird leicht das Bild des Führers verwischt, es drängen sich andere Gestalten in das Erziehungsleben hinein und — viele Köche verderben den Brei. Eine gewisse Vorsicht ist ferner am Platze beim Besuch von Vereinsmitgliedern. Häufig treten hier Enttäuschungen ein, wenn die Jungen merken, daß in den Vereinen, die ihnen als Muster hingestellt werden, sich Leute befinden, denen eine Erziehung noch nötiger erscheint, als ihnen selbst. Und häufig läßt sich eine Enttäuschung bei diesen Jungen nicht umgehen, wenn sich später ihr Gesichtskreis in der zionistischen Welt erweitert, und Wenn sie sehen, wie sehr wir noch am Anfang sind, und wieviele Schwächen -wir vor allem in der Art der Lebensführung zu überwinden haben. Dies erklärt sich schon daraus, daß die Erziehung zum Zionismus im Kreise des Jugendbundes weltabgeschnitten vor sich geht, der Zionismus im ganzen also eine Erkenntnis ist, die außer durch das Empfinden vor allem auf induktivem Wege gefunden wird. Wir tun daher gut daran, wenn wir den Weg der Jungen zum Zionismus nicht auf Rosen betten, wenn wir ihnen wieder und wieder zeigen, welche Schwierigkeiten noch zu überstehen sind, und wieviele Enttäuschungen noch unserer harren. Die Entwicklung der Jungen ist in fast allen Fällen die, daß sie ausschließlich durch das Gemeinschaftsleben, mit allen seinen Reizen undQemütswerten in unsere Bündegelockt werden, daß das zionistische Empfinden noch völlig fehlt oder daß es, um dem Führer zu gefallen erheuchelt wird. Hier heißt es iwohl auf der Hut zu sein. Man kann .dann einem Jungen klar machen, daß der Zionismus keine Sache sei, die man sich in 14 Tagen Aneignen kann, und man soll ihm zeigen, daß man auf seine zionistischen Fanfarenstöße keinen Wert legt- Meistens sind die Jungen in ihrer ersten Zeit noch geblendet durch die Werte des Gemeinschaftslebens, das sie manchmal sogar in einen gewissen Taumel versetzt. Der zionistische Gedanke triü da noch so in den Hintergrund, daß sie es oft ablehnen zu „Hintergedanken" mißbraucht zu werden. Das Gefühl der Zugehörigkeit zum engen Bunde steht hier so im Vordergrunde, daß trotz aller „guten Gesinnung" die Jungen ihre zionistische Gesinnung «ur sehr bald aufgeben, wenn etwa aus äußeren Gründen ihre Tätigkeit in der Abteilung verhindert ist. Erst viel später, meistens erst nach Jahren, fundiert sich dieser Gedanke stärker, und in den guten Fällen so weit, daß ihn«1 zionistisches Leben und zionistische Tätigkeit außerhalb dieses Kreises zur Selbstverständlichkeit wird, und sie den für sie schmerzlichen Uebergang in den Stammverein als eine Pflicht ansehen. Wenn wir die Jungen in einem solchen Stadium überweisen können, dann dürfen wir wohl noch sagen, daß wir gute Arbeit geleistet haben. Die hier mitgeteilten Grundsätze entsprechen meinen Erfahrungen, d'e ich in der Jugendabteilung der Ivria gemacht habe. Ich habe peinlich all das vermieden, was ich nicht direkt in meiner praktischen Tätigkeit gelernt habe. So habe ich zum Beispiel über die Einführung von hebräischen Kursen in den Jugtendabteilungen noch nicht gesprochen, da es mir trotz meiner Bemühungen aus äußeren Gründen nicht möglich war, einen solchen einzurichten. Ebenso verbietet die Art dieses Aufsatzes, auf spezielle sexuelle Fragen einzugehen-