Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 6 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Bund, der sich erweitert, bevor er eigene Festigkeit erlangt hat, wird ständig das Zeichen innerer Verwaschenheit in sich tragen, auch wenn eine noch so strenge Disziplin in ihm herrscht. Eine Jugendabteilung darf bei ihrer Gründung höchstens 5 bis 10 Jungen aufnehmen, ein Material, das an die Leistungen eines Führers ungeheure Anforderungen stellt. Die weitere zahlenmäßige Ausdehnung sollte nur sehr langsam und mit großer Auswahl vor sich gehen, wenn man die Entwicklung nicht igerade in ihrem schwierigsten Punkte, ihrem Entstehen, gefährden will. Wir sollten also gerade als Jugendführer weniger Wert darauf legen, bei den Berichten an den Veremsvorstand unsere Mitgliedszahlen in die Höhe zu schrauben, sondern sollten "»ehr auf andere Dinge Wert legen. Nur wenn unseren Abteilungen das genügende Führermaterial zur Verfügung steht, dürfen wir an den zahlenmäßigen 'Ausbau durch Einrichtung neuer Gruppen denken. Hier aber, (wie m jeder Erziehungsorganisation gilt das Wort: Lieber ein Guter als zwanzig Schlechte. . Einer der Hauptzwecke der Jugendabte 11 ungen ist die Schaffung von g u t d u r c h g e b i 1 d e t e m Nachwuchs fur die Stammvereine. Die Jungen sollen, um deren Stand auf eine gute Norm zu bringen, eine umfassende zionistische Vorbildung schon erhalten haben. D»e wege hierfür sind mannigfaltig, doch dürfte eine systematische Erziehung durch Kurse oder kursmäßige Heimabende, vor allem bei den Aelteren, nicht zu entbehren sein. Selbstverständlich ist es auch hier wichtig, den "^S"1 Ton für etwas derartiges zu finden. Eine trockene Vorlesung über Statistiken u"d allerhand verzwickte Probleme wird einen Jungen von 14 oder lo Jahren sicherlich nicht in die für ihn hauptsächlich empfindungsmäßig zu begreifen,- den Gedankengänge einführen. Veranstaltungen, wie Heimabende, Kurse oder auch nur eing emütliches Zusammensein einer Oruppe, sollten außer den fcportsietrieben mindestens jede Woche stattfinden, schon allein deswegen, um üen Jungen zu zeigen, daß die Anforderungen, die der Kreis an sie stellt, wert uoer einen Vereinsbetrieb hinausgehen. . Erst wenn eine solche systematische Behandlung des Einzelnen Abgeschlossen ist, und wenn er das notwendige Alter erreicht hat, darf er dem Stammvereih überwiesen werden. Die Altersgrenze nach oben soll nicht zu tief gesetzt werden, weil die Ausbildung in einer Jugendorganisation Imit ihrem Führersystem intensive* arbeiten kaAn, und weil die Aelteren den geistigen und sportlichen Stand des ganzen Bundes heben. Bei einer gut arbertenderi Abteilung wird es sich meistens herausstellen, daß den Jungen der Abschied v°n ihr äußerst schmerzlich sein wird. Sie werden meistens s e 1 b s t den Zeitpunkt ihrer Ueberweisung gern noch längere Zeit verschoben wissen w«Hen. Man soll sich überhaupt immer im klaren darüber seui, daß ein Richer Bund nicht nur einen Apparat darstellt, der von Zeit zu Zerf gut durchgebildetes Ernährungsmaterial für den Stammverein liefert, sondern eine durchaus selbständige Einrichtung sein soll, die schon der Natur nach einen ganz «igenen Charakter trägt. Wer einmal in einer gut arbeitenden Ju^endabteilung gewesen ist, der weiß wohl, daß die Jungen bei diesem Oedanken energlscn Einspruch erheben, daß sie es abweisen, „Material" zu sein. Sie wollen in sich geschlossen sein, sie wollen sich nicht von dem Wohlwollen einer •anderen, aus älteren Leuten bestehenden Gemeinschaft abhangig fühlen. 6