Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 5 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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15 5predbsaaL üon unsern Zeitschriften. VonDr. S. Rosenbaum, J. T.-V. Bar Kochba, Breslau. Lieber Freund! Du bittest mich um einen Artikel für die Turnzeitung. Du gewährst mir eine Frist von acht Tagen und nennst mir das Thema. Mehr noch, Du gibst auch das Endziel an: Es sei Zeit, unseren Leserkreis in einem bestimmten Sinne zu beeinflussen. Ich kenne Redaktionssorgen. Alle Achtung vor dem Schriftleiter, der nicht nur die D r u c k s e i t e n seiner Zeitschrift, sondern auch den Sinn seiner Leser erfüllen will! Aber welches ist der Weg? Bitte, ein ehrliches Geständnis: bringst Du es fertig, auch nur die Hälfte der Schreibereien in unseren jungjüdischen Zeitschriften zu lesen? fallt es Dir nicht oft genug auf, daß gerade in dem, was Du als Fachmann zu, beurteilen in der Lage bist, am meisten Ungereimtes geschrieben wird? Beginnst nicht auch Du nach solchen Erfahrungen mißtrauisch zu werden gegen_ die Artikel, deren Tatsächlichkeiten Du zu beurteilen weniger in der Lage bist. was uns fehlt, i s t S a c h 1 i c h k e i t; Aufsätze (und Vorträge!) die wirklich von Kennern herstammen. Was daraus folgt? Daß Ihr Redakteure kein Recht habt, Themata zu geben, wie unsere Schulmeister unseligen Angedenkens. Es werden sonst allzuleicht Schulaufsätze draus. Nur jeder einzelne {ür sich allein kann entscheiden, worüber er etwas zu sagen berufen ist. Aber nicht nur das, was gesagt wird, ist entscheidend für den fcindi uck auf den Leser, sondern wiederum ebenso wichtig ist das W i e. Nur was aus vollem Herzen kommt, kann recht zu Herzen gehen. Also gebt uns keine nach Tagen bemessene Frist, Ihr Herren Schriftleiter, denn jene seltenen Augenblicke, in denen man eines Gedankens voll ist, ihn gestalten kann, ja sogar gestalten muß, lassen sich nicht kommandieren. Sieh Dir doch nur das Geschreibsel in den deutschen Zeitungen unserer Tage an! Muß ich noch besonders sagen, daß es in unserer nationalen Presse wenig anders aussieht? Daß unsere jungjüdische Journalistik recht erbärmlich •st? — Zu viel. Zu unsachlich. Und wenn es nicht gerade einen Stank gibt, recht langweilig. Einige böse Zungen haben behauptet, die Presse sei immer C|n Spiegelbild der Bewegung, die sie vertritt. Nun, ich habe hier keinen Anlaß, auf unsere nationale Jugendbewegung einzugehen. Lieber ein Wort über unsere Turnzeitung selbst. Lesen unsere Turnbruder andere Turnzeitungen? Wenn ja, dann erübrigt sich die Rubrik „Vom praktischen Turnen und Sport". Denn unser Blatt steht als Fachzeitschrift naturgemäß den meisten anderen nach. Ich (glaube aber, wir können die eben gestellte Frage für die Mehrzahl der Leser verneinen. Dann aber soll die Turnzeitung Turner wie Turnleiter, Sportlefc wie Trainer turntechnisch und sportlich fördern. Darüber hinaus sie unterrichten über Körperkultur und Hygiene. Unsere Jugend muß auch abseits vom Turnboden zur Körperkultur erzogen werden, soll lernen, jede Stunde im Sinne unseres Volks-Ideals zu leben. Soll einen «ortlaufenden Einblick gewinnen in die Fragen der gesundheitlichen Lebensführung. Von Fachleuten natürlich. Es fänden sich Ernährungsphysiologen, Orthopäden, 5