Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 5 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 in allen Euren,Vereinen auf dem Turnboden Euren Führer in wenigen und herzlichen Worten der frohen Kunde gedenken, grüßt die jüdische Zukunft mit einem dreifach-kräftigen Hedad! und dann zeigt, daß derjenige unserer Weisen recht hatte, der da sagte, daß die Freude die Kräfte des Menschen stähle. Nur wenn sie diese Wirkung auf uns ausübt, sind wir ihrer wirklich wert! C. Z. K. Das Volkslied der Ostjuden- Von Fritz Mord echai Kaufmann-Berlin. III. Uiddisdi als sprachliches Element der bieder. IV. Nichts liegt näher, als jetzt, da das Fremdartige dieser Volkskunst in den Umrissen angedeutet und erkennbar geworden ist an die Dinge ganz nahe heranzutreten und sie körperhaft nicht bloss ihre Athmoiphäre, zu ergreifen. Aber das Endgültige das nur auf dem Wege genauer dichterischer und musikalischer Analyse gewonnen werden mag, kann solange nicht gesagt werden wie dem Leser der Organismus des Ostjüdischen in seinen riesenhaften und >n seinen geringen Erscheinungen und Gesetzmässigkeiten erlebnishaft und erkenntnismässig fremd geblieben ist. Ich habe daher grosse Liedergruppen, die erst die Fülle der Ausdrucksmoghchkeiten ahnen lassen, gar nicht erwähnt; ich habe überhaupt das Inhaltliche das doch fast in jedem Lied als Abspiegelung und Verklarung des realen und zeitlosen Seins der Volksmassen gerade für Westjuden von besonderem Reiz ist, kaum gestreift. Ich habe nichts erzählt von den Liedern der Hochzeitsleute, nicht von denen der Iianü- Werksmänner und der kleinen, spielenden Kinder nicht von den S o 1 d a t e n 1 i e d e r n, diesen für Europa unerhörten Ausbrüchen einer ganz und gar pazifistischen Gesinnung, in denen, achtzig und neunzig Jahre vor Romain Rolland und Tolstoi, der Hass gegen die westeuropäischen Vergnügungen brutaler Mordlust sich part mit einer gewaltigen, fast klassenbewussten Empörung gegen die Reichen, gegen die angesehenen Balebatim, die den einzigen Sohn der armen Witwe als Auslösung für die eigenen verwöhnten Kinder der gojischen Gewalt ausliefern. Ich wollte auch nicht Ausführungen wiederholen, die der Leser in zusammenhängender Form bereits in meinem Merkoüchlein „Das jüdische Volkslied" vorfindet. Wohl aber habe ich zu erklären, warum ich der Beschäftigung mit diesen Liedern einen so besonderen Wert gerade für Westjuden beimesse. Ihre Sprache ist das Jiddische. Es ist ohne Zweifel schon ein nennenswerter Fortschritt, dass man heute In Gelassenheit, ohne hinterhaltiger Politischer Motive oder gar der Feindseligkeit gegen das Hebräische ver-