Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 5 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Und hier liegt die bleibende Aufgabe der jüdischen Tumerschaft. Sie darf ihre erzieherische Aufgabe, so wie sie sie bisher aufgefaßt hat, nicht einen Augenblick vergessen. Im Gegenteil, sie muß ihre Anforderungen steigern in der Stunde, wo sie damit rechnen muß, daß Hunderte ihrer Mitglieder in kürzerer oder längerer Zeit vor der Notwendigkeit stehen werden, in Erez Israel selbst ihr Verantwortlichkeitsgefühl und ihre Bereitschaft zur unbedingten Unterordnung unter die Interessen der Gesamtheit praktisch zu beweisen. Nichts wäre verderblicher, als in einer Art untätiger Verzückung auf das Wunder zu warten. Es geschehen keine Wunder, außer denen, die wir selbst uns schaffen. Und psychologisch betrachtet gehen wir grade jetzt einer sehr gefährlichen Zeit entgegen. Es ist kein Geheimnis, daß die innere Elastizität der nationaljüdischen Bewegung in starkem Maße gelitten hat unter der Periode des Z"- wartens, die mit dem denkwürdigen 27. Februar 19iy begann, an dem Weizmann und Sokolow vor der Friedenskonferenz sprachen, und die jetzt ihren Abschluß erreicht hat. Wie aber wird es in nächster Zukunft werden? Wir wissen heute noch nicht, in welchem Tempo sich die Dinge entwickeln werden, wir müssen auch mit der Möglichkeit unvorhergesehener Hindernisse rechnen. Wenn wir uns dann nicht von vornherein fest in der Hand haben, wenn unsere Arbeit nicht in derselben Weise wie bisher uns auszufüllen vermag, so könnte es geschehen, daß ein Umschlag der Stimmung1, eine unbegründete Mutlosigkeit Platz greifen könnte, die gefährlicher wäre als alles, was von außen sich uns hindernd in den Weg stellen! mag. Wir wollen doch auch nicht vergessen, daß sich mit einem Schlage die Situation aller Juden in ihren Wohnländern völlig geändert hat. Wir müssen uns dessen bewußt sein, daß von Stunde an jeder Jude, ob er es will oder nicht, für die Würde des jüdischen Volkes Verantwortung trägt. Und wir hab-n heute mehr als je die Aufgabe, in den Kreisen, die noch nicht zu uns gehören, dafür zu wirken, daß insbesondere die jungen Juden sich dieser Verantwortung bewußt werden. Es ist von größter Bedeutung, daß wir nach wie vor auch auf unserm ureigensten Gebiet, im Turnen und im Sport, die Ehre des jüdischen Namens wahren. Denn jetzt haben wir nicht nur vor uns selbst, sondern vor aller Welt das Recht und die Pflicht, das jüdische Volk zu vertreten. Darum: kein Unterbrechen unserer Arbeit, kein Nachlassen in ihr, sondern im Gegenteil eine Steigerung aller moralischen und körperlichen Kräfte, auf denen wir unsere Bewegung aufgebaut haben. Laßt