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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 4 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
4 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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13 Das Volkslied der Ostjuden. Von FritzMordechai Kaufmann-Berlin. II. Die formalen Elemente der bieder, in. Begrifflich auseinandersetzen, worin eigentlich das Besondere, Vle Anmut und die altertümliche Stärke dieser Volkslieder zu suchen *s*, was sie etwa von der deutschen Volkslyrik trennt und ihnen den hohen Wert ganz selbständiger Kunstwerke verleiht, ist natürlich jun so schwerer, je weniger der Leser ihren Klang und ihre sprachliche Gestaltung im Ohre hat. In seiner stofflich besonders schönen cnassidischen Erzählung „a gilgel fin a nigen" (Die Verwandlung einer Volksweise), die selbst in der Abschwächung einer belanglosen Uebersetzung noch reizvoll genug ist, um von westjüdischen Menschen ^"r'g gelesen zu werden, hat Perez diese Schwierigkeiten recht drastisch ausgemalt und setzt dort, wo er erklärend nicht mehr weiter Kann, mit einer fast legendarischen Geschichte ein. Als mir in dem Werkblatt „Das Jüdische Volkslied" (Berlin, Jüdischer Verlag 1919) die Aufgabe gestellt war, westjüdische Leser in die. remde .Welt dieser Lieder einzuführen, blieb mir, um irgendwie ververständlich zu werden, nur der Ausweg, ein ganz persönliches Zeugnis abzulegen von den gar nicht alltäglichen Erlebnissen, die ich dem Jüdischen Volkslied zu danken hatte, und auf solche Art die Dinge Wenigstens in ihrem Abglanz und ihrer Spiegelung kenntlich zu machen. *"«ier sei nun der Versuch gemacht, etwas unmittelbarer von ihrem wesentlichen Sein zu berichten und wenigstens skizzenhaft Zusammenhänge und Erkenntnisse anzudeuten, die bei anderer Gelegenheit °n mir mit der gebotenen Ausführlichkeit behandelt werden sollen. Das Volk und mit ihm die Exponenten seiner Tugenden und chwächen, die meist namenlosen dichterischen und musikalischen Er- 'nder seiner Lieder, schafft nicht dauernd mit' der gleichen zusammengeballten und souveränen Stärke. Genau so wie der Dichter als •nzelindividium unterliegt es Perioden von gesteigerter und geänderter Kraft der Gestaltung. Das ist bei den Deutschen und r.anzosen nicnt anders: Der Laie, der in der Regel nur mit den eitloseren Schöpfungen vertraut ist, ahnt meistens nicht, dass in den fip??ien Quellensammlungen deutscher Volkslieder zahlreiche befengn:Sfre Stücke sind, die zwar 'durchaus dem Volkslied angehören, a"ber zu k ^e Quautaten besassen, um über die Jahrhunderte hinaus lebendig jj""leiben. Wenn man also schon deutsches und jüdisches Volksed vergleichen will, dann darf man nicht solche Ausgaben zu £ate ziehen, wie die von Winz, Roskin und von der Bundesleitung 2?. »Blau-Weiss" verlegten. Denn darin finden sich nur ganz ke't einmal Dinge, die für die letzten und gesteigerten Möglichvy?er jüdischen Volkslyrik Zeugnis ablegen können, und der es«]üdische Benutzer wird durch die überwiegenden geschmacklosen

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