Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 4 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 es verstehen, die oft sehr verschiedenen Elemente zu vereinigen, Gegensätze auszugleichen, im kindlichen Gemüt Vorurteile zu beseitigen, die unvernünftigerweise oft schon im Elternhause eingepflanzt werden. Die Aschkenasim (Ostjuden) halten sich nämlich für vornehmer als die Sefaradim (Spaniolen), diese wieder blicken, auf die Bucharen herab, und jene verachten die Jemeniten! Die Ganeneth wird es oft erleben, dass ein kleiner Aschkenase sich weigert, beim Kreisspiel einem kleinen Spaniolen die Hand zu geben, oder dass ein kleiner Buchare für nichts in der Welt neben einem kleinen Jemeniten sitzen will! Alle diese schädlichen und lächerlichen Vorurteile hat die Ganeneth mit Liebe, Geduld und Humor auszumerzen und die feindlichen „Nationen" zu dauernden Freunden zu machen. Auf pädagogischem, hygienischem und ethischem Gebiet hat die Ganeneth eine gleich hohe Mission zu erfüllen. In den Städten mit ihrer vorwiegend armen Bevölkerung ist die Arbeit natürlich schwieriger als in den Kolonien, wo die Kinder meistens Kolonisten- und Arbeiterfamilien entstammen, die in normalen Verhältnissen leben; dort ist die soziale Arbeit im Gau weniger erforderlich als in den Städten. ' , Die Unterrichtsmethode der Zukunft für unsere Ganim scheint mir die italienische Methode Maria Montessori zu sein. Sie vereinigt eine tief durchdachtet Erkenntnis der kindliche« Lebensbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten mit dem rationellsten Unterrichtsmaterial. Ihr vollständig freier, dem kindlichen Wesen angepasster Unterricht, der eigentlich kein Unterricht, sondern ein sanftes, unmerkliches Anleiten und Fördern ist, entspricht dem, alle» veralteten jund überlebten Formen abholden, Svstem unsres jungen hebräischen Schulwerkes ebenso wie der freien, "ungebundenen Natur des palästinensischen Kindes. Jedem jungen Mädchen dass sich den Kindergärtnerinnenberuf in Erez-Israel zum Ziele setzt, möchte ich raten, sich in der Montessori-Methode auszubilden. W'r haben in Palästina ein Seminar für Kindergärtnerinnen, das jährlich eine ziemlich grosse Anzahl ausgebildeter Gananoth entlässt. (Studienzeit jetzt 3 Jahre). Trotzdem wäre es zu wünschen, dass wir in den nächsten Jahren mehrere tüchtig ausgebildeter Montessorianerinnen aus Europa nach Erez-Israel bekämen. Natürlich müssen es perfekte H eb rai s t inn en sein. Eine „Poelet" (Arbeiterin) kann sich die Sprache im Lande selbst, bei der Arbeit und im L,m" gang mit den Kameraden erwerben. Auch eine Krankenpflegerin könnte in der ersten Zeit, wenn auch mit Schwierigkeif, ohne gründliche Kenntnis der Sprache tätig sein. Für eine Ganeneth aber ist die Beherrschung der hebräischen Sprache Hauptbedingung. Wer sich das schöne Ziel gesteckt hat, Ganeneth in Erez-Israel zu werden, wird wohl nicht vor der Schwierigkeit zurückschrecken, sondern mit aller Intensität an das Erlernen der hebräischen Sprache herangehen. Darum: Glückauf den künftigen Gananoth und auf Wiedersehen in Erez-Israel! —