Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 3 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 keinen Fall von einem Massivbau aus gebrannten Ziegeln unterscheiden können. Die Herstellung weitgehend normalisierter Einzelbauteile und die Massenfabrikation leicht zusammenfügbarer gleicher oder sehr ähnlicher Haustypen sowohl für die provisorische als für die dauernde Unterkunft werden uns das Bauen erleichtern helfen müssen und uns dem Ziele, schnell und viel zu bauen, allmählich nahe bringen. Jetzt aber: zweckentsprechend und gut. Bei der Aufstellung von Haustypen sowohl als von Siedlungstypen für unseren palästinensischen Neuaufbau dürfen wir auf keinen Fall den Fehler begehen, hiesige Massstäbe und Formen nun einfach dorthin zu verpflanzen. Das Klima und die Lebensgewohnheiten spielen eine so ausschlaggebende Rolle wie auch die im Lande zur Verfügung stehenden Baumaterialien bei der Errichtung der Bauten, dass selbstverständlich von den hiesigen völlig abweichende Schöpfungen entstehen müssen, wenn diese lokalen Faktqren berücksichtigt werden. Dicke Mauern oder wenigstens isolierte, hohe Räume und Vorrichtungen vor den Hausfronten und über den flachen Dächern müssen dazu beitragen, die ungewohnte Hitze des Sommers den Wohnräumen möglichst fern zu halten. Loggien und Dachterrassen müssen dem Bewohner die Möglichkeit geben, einen grossen Teil des häuslichen Lebens ausserhalb der eigentlichen Zimmer zu führen. Die in Palästina auf bewässerbarem Boden überall erzielbare üppige Vegetation muss vielmehr als hier im Norden üblich zum Schmuck und zur Beschattung der menschlichen Wohnstätten herangezogen werden. Auch die Farbe kann in jenen Verhältnissen weitgehender als hier in der Architektur Verwendung finden. Es ist hier natürlich nicht der Ort, irgendeinen ländlichem, städtischen oder halbstädtischen Haustypus, wie er uns vorschwebt, und wie er in den Idealprojekten zahlreicher zionistischer Architekten für Palästina bereits lebt, eingehend in allen Einzelheiten zu beschreiben. Die geschilderten Züge mögen die Phantasie des Lesers anregen, sich ein solches Bild selbst weiter auszumalen. Worauf es uns ankam, war, hier ganz kurz auf die überragende Wichtigkeit des Themas vom Bauen und Wohnen im neuen Palästina hinzuweisen und klarzustellen, dass es die Aufgabe unserer Architekten und Bauorganisationen sein muss, das „palästinensische Haus" zu schaffen, das palästinensische Haus in dem Sinne, wie wir von einem englischen, nordischen, deutschen, italienischen Hause zu sprechen berechtigt sind. Wir werden in Palästina nur gut wohnen, wenn wir in einem palästinensischen Hause wohnen werden, d. h. in einem solchen, welches allen Bedingungen des Landes und seiner Bewohner bis zum letzten Rechnung trägt. Dieses Haus uns zu schaffen, sei die grosse Aufgabe unserer jüdischen Baukünstler.