Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Es gilt für uns junge nationale Juden, die wir infolge unsres ewigen Suchens nach dem Vollkommensten stetig in der Gefahr sind, tönenden Worten zu folgen, ups nicht von Idealen beschwatzen zu lassen,*) sondern nach dem Wahren zu greifen. . , wil'e,n zu Differenzierung ist nicht nur ein Zeichen hochstehender Kultur, sondern auch ein Zeichen jugendlicher Kraft Man darf diesen Willen nicht mit unsozialer Lebensauffassung verwechseln. 7, ZJr. man den Willen zu falscher Verbrüderung mit Schwächlichkeit, mit Unfähigkeit zur Eigenart bezeichnen. Der edlte Volksgedanke leidet nicht infolge des wahrhaft jugendlichen Wilens zur Eigenart. Wahre Gemeinschaft kann nur auf klares Erkennen folgen, wirkliches Zusammenleben ist nur möglich bei starken und vollen E i n z e 1 i n d i v i d u e n Aus den anderen Organisafionen* r Verband der Osfjudeo in Deutschland, Von Josef Lin, Berlin. imrf J^*?1** Volkstum ist keine blosse Idee; es ist eine Realität, die erlebt und getätigt werden muss. <u*r«t?nrK]Üdi!?1"nati^ale 9.edanke w in Deutschland im erfreulichen Fort* schreiten begriffen. Namentlich jn unserer Jugend und Intelligenz fasst er 'dTtftJ'Ä WuLZ?1'\ ^ir ^ind;Zeu«en des Erwachens vom Halbdämmer Oes staatsbürgerlich-konfessionellen Pseudo-Hyperpatriotismus. Die Erwachenden suchen die Quelle ihres ureigensten Wesens: ihr Volk Haben sie es gefunden? Wo ist der Born, aus dem die Urkräfte unseres Volkstums hervorquellen? jrrt-,«* J)rl1!*ni,u4i,schen Volksmassen sind es, die von jenen Urkraften durchströmt .werden Das Westjudentum verfiel dem Siechtum, weil Maf SeP fe£lten\, °hnf sie ermangelte es, eine dünne soziale Oberschicht, der festen Grundlage für seine eigene Volksexistenz; vermochte es aem Ansturm der es umgebenden Kultur nicht standzuhalten; verlor es dttt inneren Zusammenhang und die lebendige Wechselwirkung mit dem VolkSganzen, das m seiner übergrossen Mehrheit in den Gebieten des Ostens sich konzentriert. „ .. nationale Existenz des Ostjudentums basiert auf seinen breiten Volkss^nchten. Volksmassen sind unassimilierbar; in ihnen erhält sich die nationale Physiognomie am unverfälschtesten. Das Problem West und Ost in unserer nationalen Bewegung bedeutet in semer tieferen Erfassung: erstrebtes und e r 1 e b t e s V o 1 k s t u m- Die Erwachenden des Westens suchen die Quelle ihres ureigensten Wesens. s>ie finden sie in den ostjüdischen Massen. In ihrer nächsten Nähe weilen sie, diese Volksmassen. Ihre Zahl ist in jüngster Zeit gestiegen in einem Masse, das zwar von manchen Seiten erheblich übertrieben wird, jedoch nicht ganz unbedeutend ist. Wir erleben hier gegenwärtig den Zustrom von jüdischen Flüchtlingen, namentlich aus Polen. Pogrom e und Drangsalierungen jagen sie aus ihren Heimatorten fort, entreissen sie ihrem Liebsten und Teuersten, treiben sie m die kalte, rauhe Fremde hinaus. Nach einem schweren, leidensvoJlen Wanderweg gelangen sie, zumeist aller Mittel entblösst, hier an t- Mmmenbruch " " este Entbehrun&en, Verkümmerung, völliger Zu- Esfeilt, wertvolle nationale Kräfte zu erhalten, vor der Zertrümmerung zu schützen! Die Flüchtlingsfürsorge bildet gegenwärtig die dringendeste Aufgabe der Ostjudenarbeit in Deutschland! •> Siehe auch Martin Bubers Rede „Zion und die }ugend".