Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 vir u E*Pressio_n>srnus heisst die neue — nicht Kunstrichtung - sondern Weltanschauung Er ist eine Kampfansage gegen jede Ve rä uss e r Ii c h u ng I ''if'"!ÄSmus T* g€gen die Auffa«sung, den Sinn des Daseins aus den .Dingen selbst zu erkennen und zu erklären. Er lehnt ab „das bequeme fcriclaren jeder Erscheinung aus materialistischen Faktoren, das Werten jedes Dinges nach utilitaristischen Gesichtspunkten, den Götzendienst vor dem Wert f-il^TV08^, und des Enrwickhtngsgedankens in jeder Fassung, das selbstgefällige Umrechnen aller Lebensbewegungen auf die eigene schöne Grösse, die egoistische Isolierung von der Gesamtheit, die geistige Trägheit, die innere und_äussere Sattheit, die Selbstzufriedenheit, die niefit aus erkämpfter Harmonie, sondern aus materiell erkaufter ' Einseitigkeit entsteht, die UebeVhebung und die damit zusammenhängende Unduldsamkeit, die Verlogenheit in den notgedrungen zugegebenen geistigen Idealen." (H. W. Keim ) t. °er Expressionismus ist der Ausdruck einer Sehnsucht, über die Tatsachenerfahrung hinaus den Sinn und den Wert des Lebens zü erfassen durch Intuition, durch Verinnerlichung, inneres Schauen. Seine erste Forderung ist, sich selbst zu enteinzeln, seine Individualität zu zerdrücken. Mensch sein heisst sich opfern. r\ . ist hier nich» der Platz, nachzuweisen, wie heute schon Philosophie, Psychologie, Mathematik erkannt haben, dass sie vorwärts gekommen sind, ohne sich dem grossen Unbekannten zu nähern, dass sie an Grenzgebiete gelangt sind, und den „Sprung über den Schatten" wagen mussten, dass wissenschaftliche Ergebnisse vorliegen, die dem Monismus den Todesstoss gegepen haben, dass führende Atheisten sich zum Dualismus durchgerungen haben usw.. _A11 dies geht konform mit den religiösen Bewegungen unserer Zeit, von der das Judentum zwar auch berührt ist — siehe das Anwachsen des Misraöhi und der Agudas Israel - die aber in der Jugend und den Jüdenheit nicht den Umfang erreicht hat, hit dem wir Juden an den sonstigen Oeistesbewegungen der Zeiten beteiligt sind,. Das aber ist der Weg, den unsere Jugend geführt werden muss, der weg zum . reinen Monotheismus, auch wenn er auf Umwegen da/u führt. (Pantheismus, Mystizismus, Theosophie und andere jetzt wieder auftauchende Kicntungen sind svTnptomatjsidh für die geistige Umwälzung) Nur so wird die Sexual frage, die einen ungeheuren Einfluss auf die menschliche Psyche hat, radikal gelöst werden, nur so ist der Kampf aufzunehmen gegen alle Auswüchse des Gesellschaftslebens, gegen das Paradoxe der iudischen Psyche, gegen Ueberschätzung des Geldes, des Wissens, gegen Snobismus, Protzentum, Herrschsucht, Aufdringlichkeit und andere durch die Assimilation entstandene Fehler. Wir brauchen einen neuen Typ Juden, die ihr Leben vor Gott verantworten können, nicht einen mit Wessen und Ueist vollgepfropften Juden; sondern eine Jugend, die in voller Harmonie und Reinheit wieder glauben und lieben lernt. Heraus mit den Bildnern jüdischer Jugend, den Künstlern und Dichtern, Rabbinern und Lehrern vor Allen! Ein neues Geschlecht wird vielleicht auf neuem Boden, in Palästina, heranwachsen, nicht zerquält an innerer Zerrissenheit, aber warten wir nicht auf die Befruchtung der Diaspora von Palästina her! Dieser ganze Komplex jüdischer Erziehungsfragen, der Jedem am Herzen liegen muss, der einsieht, dass wir der Degeneration und Entjudung anheimfallen, kann am grosszügigsten durch Schaffung der jüdischen Volksgemeinde gelöst oder doch wenigstens in Angriff genommen werden. » j, ,..DeshaIb. s«« dieser Stelle auch> — nicht zum Kampf — doch zur Axrfklarungsarbeit aufgefordert für eine neue, frische Gemeindepolitik. Wff brauchen fnsehe Männer, frischen Geist, die nicht nur im Nebenberuf oder Nebenamt für die Interessen unserer Gemeinschaft arbeiten, die es verstehen, alte Olieder der Gemeinschaft zu erfassen und zu tätigem jüdischen Leben »n voller Harmonie zu erwecken. Es ist kein Zufall, das der Ausgangspunkt dieses Themas, das jüdische 5>exuaIproblem, immer wieder in nationaljüdischen und zionistischen Kreisen auf-