Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 taten einzusehen gelernt hat, ohne dass berühmte Wissenschaftler ihnen diese Erkenntnis vorgekaut haben. Aber nicht nur genug damit, dass diese Menschen ihre Füsse stumpfsinnig stundenlang emporziehen und auf den Weg wieder zurückfallen lassen, einzelne von ihnen haben einen Ehrgeiz darin gefunden, wie Rennpferde im Kreis um eine Bahn umherzusausen. Dieses im höchsten Grade — wegen der dabei eintretenden Echauffierung — unsympathisch beschleunigte Gehen, nennt der Volksmund: Laufen. Wie jede Marotte, so hat afuch dieser Sport eine Reihe von Anhängern, die in der stärksten Ausgelassenheit und der sinnlosesten Eile, (wie sie keinem feinen Menschen zu, zeige» gut ansteht), sich wohl fühlen. Habeat sibi! Diese jungen Leute keuchen dabei, schwitzen viel, um schliesslich in durchschwitzten Hemden am Ausgangspunkt der Bahn anzukommen. Ein gut jüdischer Herr (dem Aussehen nach) meinte jüngst bei so einer Veranstaltung: „Wo steckt da der Zweck? Was kriegen die Leute für die Arbeit? Das soll ein Vergnügen sein?"---:--. . .Fa.st nätte ich etwas vergessen. Jüngst ist dem (neuzugründenden) Ministerium für Volksgesundheit in Palästina eine Eingabe gemacht worden. Danach bekommt jeder Mensch einen plombierten Schrittmesser und ein Wanderbüchlein. Er wird jeden Freitag gemessen, das heisst die Kilometerzahl, die er in der Woche zurücklegte, aufgeschrieben. Wer nicht täglich 10 Kilometer (durchschnittlich m einem Jahre) geht, wird ausgewiesen. Gehfaule Individuen werden leicht krank und müssen dann von der Allgemeinheit ernährt werden. Gehfaule Menschen wirken ansteckend mit ihren schlechten Sitten. Es gibt nicht nur eine Arbeitssondern auch eine Gehpflicht. Es sei ein Wahnsinn, 10—14 Stunden am Tage zu sitzen und keine 3 Stunden richtig zu gehen und zu laufen. Wir seien alle Sklave» unserer Zeit und Sitte. Ein neues Jahrhundert müsse anbrechen____ II. Vom Bergsteigen. Ein junges Ehepaar kletterte wenige Tage nach der Hochzeit auf den Monte Salvatore. Mein Freund A., der mit der Bah« hinauffuhr, hielt die jungen Leute für Barbaren und Geizhälse. Er empfinde in der Ungezwungenheit und Freiheit, mit der er die höchsten Spitzen zu berühren Gelegenheit habe, den Genuss der Berge viel vollkommener. Der Tourist klebt sozusagen mit der Nase an der Bergwand, zerrejsst sich die Kleider und kommt womöglich in nassem, riechenden Jägerhemd zur Table d'hote auf Rigi-Kulm. Letzten Ende« seien die Deutschen nur deshalb in der Welt so unbeliebt. Und der Weltkrieg sei bestimmt .... Ich stehe nicht auf dem Standpunkt. Bergbahnen schädige ich gerne. Ich will kein Ausbeutungsobjekt für dividendenfrohe Drahtseilbahnen sein, die mit der Höhenluftlunge Geschäfte treiben. Ausnutzung des Gesundheitsstrebens ist unverantwortlich. Auch hier ist die Ansteckungsgefahr gross, dass das böse Beispiel zu schlechte» Sitten verleitet und gesunde Menschen selbst in der Natur ihre tägliche Bahnfahrt nicht missen wollen. (Die Menschen sind zu sehr a"