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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 1 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
1 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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4 Masse aber zum Glück von diesem Geschick zunächst bewahrt bleibt und erst später und in ganz anderer Weise ereilt wird (hier verquickt sich der Assimilationsprozess bereits mit der neuen Welle des Nationalismus, ist aber auch sozialistisch-revolutionär, nicht wie in Deutschland, bourgeois-liberal gefärbt. Die Emanzipation bleibt national gebunden, ist wie im Westen nur kosmopolitisch. Diese ganzen Vorgänge sind soziologisch bisher kaum untersucht). In dem Moment nun, da überall neue Jugend, ob aus emanzipiertem oder assimiertem Lager, aus Ost oder West kommend, mit innerster Gewalt zu erkennen beginnt, dass das Volk zu rettungslosem Untergang verdammt ist, wenn es nicht gelingt, die verlorene Einheit in eigenem Lande, eigener Kultur und Sprache wiederherzustellen, in dem Moment, wo es gilt, das ganze Volk zu einer willensstarken Gesamtheit zusammenzuraffen, erhebt sich das drohende Gespenst der mehr oder weniger an die verschiedenen, umgebenden Völker assimilierten Judenheit, wird es bewusst, dass nicht zionistischerWille allein, mag er noch so stark sein, genügt, die ersehnte Einheit wiederherzustellen, sondern dass dieser Wille erst die erste, freilich mächtigste und unbedingteste Voraussetzung zur Einheitsbildung bedeutet. Noch im Galuth wird uns die Frage Ostund1 Westjuden akut, die in Erez Israel verschärfter ist, weil dort Jemeniten, Sephardim. Aschkenasim-(Ost- und Westjuden) und viele andre Splitter zusammenströmen. Je stärker der Wille zur Einigung, desto schärfer auch die Spannung infolge der kulturellen und sozialen Assimi- Iiertheit, die überall verschieden ist: Das ist der Fluch, mit dem uns das Galuth beladen. Uns Zionisten ist die T a t s a c h e der Verschiedenheit wohl bekannt; wir überlassen es aber den Assimilanten, sie kühl zu bejahen; uns ist Erkenntnisquelle unseres Volksschicksal und eines Lebens in Knechtschaft und Selbstverneinung. Die, denen bewusst ist, dass uns ein Weg der Rettung möglich ist, wissen auch, dass gerade unbeugsamer Wille, zum Ziele zu gelangen, zwar nicht gleich und direkt, aber als Folge gewollten Ineinanderlebens, auch der Weg der Ueberwindung dieser Spannung ist. Damit ist das Problem dieses Teils der nationaljüdischen Aufgabe, die Einheit des jüdischen Volkes wiederherzustellen, klargelegt; es gilt bewusst und planmässig, schon hier und jetzt, an der Ueberwindung der Andersartigkeit zu arbeiten, auch wenn (wahrscheinlich mit Recht) daran gezweifelt wird, dass im Galuth die volle Ueberbrückung möglich ist;;Galuth heisst,uns ja: Anomalie und Unregelmässigkeit der jüdischen Entwicklung. Aber das ist ebenso selbstverständlich wie klar: die Gegensätze sind nur solche der sozialen und bis zu einem gewissen Grade auch geistigen Spannung und nicht der inneren Verschiedenheit, wozu sie die westlichen Assimilanten stets stempeln wollen; sie sind demnach, wejl jaus Erziehung zum Fremdnationalen (ob bewusst oder unbewusst gilt hier gleich) entstanden, durch einheitliche Erziehung wieder überwindbar. Wohl ist die Aufgabe nicht leicht, denn die Erscheinungen des Zerfalls sind weithin fortgeschritten; und vollständig ist die einheitliche Erziehung, wie schon dargelegt, nur dort vollstreckbar, wo alle Vorbedingungen für ein natür-

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