Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 12 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Ziel und Ideal logischerweise in ihrer Auflösung bestehen müsste — denn wenn jener Termin einmal kommen sollte, «den ihr Rundschreiben mit den Worten „hoffentlich nicht für immer" herbeisehnt, wenn also endlich der böse Antisemitismus in den Sportvereinen aufgehört haben wird, dann entfälltjadieLebensberechtigung der Kameraden*). Einen positiven Grund, um sich als Juden zu vereinen, haben sie nicht — also wünschen wir ihnen, was sie sich selbst wünschen: dass sie sich nun möglichst bald endgültig mit der deutschen Bevölkerung vereinen können, von der sie zwar unablösl i c h sind, von der sie sich aber zunächst einmal in eigenen Vereinen' ablösen. Wir warten mit Interesse ab, was uns die Assimiianten kraft ihrer hervorstechendsten Eigenschaft, eben der formalen Assimilation sfahigkeit, nun noch alles nachmachen werden. Jugendarbeit, Kongressidee, die Forderung „der nationalen Autonomie für die Ostjuden", die der Zentralverein neuerdings auch von sich aus aufstellt — das haben wir schon alles hinter uns. Das einzige, was wir ihnen an Organisationsformen noch voraus haben, ist der a 11 w e 111 i ch e V e r b a n d. Sie werden ihn vielleicht auch bald haben, den Weltverband der Vereinigten Assimiianten und den internationalen Kongress aller Staatsbürger jüdischen Glaubens. Da werden dann die „Führer des deutschen Judentums" zusammensitzen können mit ihren feindlichen Freunden — mit dem Herrn Staatsrat Eiger aus Warschau, der vor dem Botschafter Morgentau sogar die Pogrome zu entschuldigen wagte, mit Herrn Professor Silva in Levy aus Paris, der in der entscheidenden Sitzung der Friedenskonferenz — allerdings erfolglos — gegen Weitzmanns und Ussischkins Forderung des jüdischen Palästinas Einspruch erhob, mit jenen wenigen englischen Assimiianten, die Balfour neulich so glücklich als „verächtliche Verleugner ihres eigenen Volkstums" bezeichnet hat und mit noch manchem andern vornehmen Herrn. Und wenn wir jüdischen Turner dann wieder unsere erste Wanderfahrt nach Erez Israel machen werden, wenn wir freuen und stärken werden an dem Bilde aufblühenden Volkslebens, das unser erwachendes Land bietet, wenn so mancher von uns den Entschluss fassen wird, ganz dort zu bleiben und zu arbeiten für die Zukunft und Grösse unseres Volkes — dann gerade werden die Delegierten der Kameraden von jenem Kongress zurückkehren. Und sie werden mit Stolz zu Hause erzählen, wie diese Tagung einstimmig den Beschluss gefasst hat, dass es ein jüdisches Volk überhaupt nicht gibt. *) Anm.: Die Angaben über den Antisemitismus in den deutschen Turn- und Sportvereinen sind übrigens tendenziös übertrieben. So hätten die Kameraden in Berlin und München, wo wir die Verhältnisse genau kenne"» 'nach ihrem Programm überhaupt keine Lebensberechtigung, denn so grosse Vereine wie der Charl. Sport-Club und Verein für Volkssport Teutonia u«w'- in Berlin, der Münch,en<;r Turn-Verein wn 1860 hielten sich bisher von jedem Antisemitismus frei..