Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 12 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 sehen, der nie in den Dingen, sondern immer daneben steht und der in Heinrich Heine seine fast geniale (wenn auch typisch ungeniale) Form, in unzähligen Ghettojuden von heute, die mit oder besser gegen uns leben, im Typ des Mauschel, wie ihn Theodor HerzI zeichnete, seine niedrigste Verkörperung gefunden hat. So entstand der deutsche Assimilan t. Aber dieser Begriff ist weit und wir müssen hier zwischen zwei Gruppen scharf unterscheiden: die einen bemühen sich ernst und ehrlich in das Deutschtum hineinzukommen, tverteidigen es gegen Angriffe und lassen im übrigen das jüdische Volk ungehindert seinen Weg ziehen. Die andern aber handeln so, wie jener Krüppel, von dem August Strindberg in einer seiner schönsten kleinen Novellen erzählt, der die Rückgratverkrümmung zu einer Vorschrift für die ganze Menschheit machen will, weil er selbst — leider! — einen Buckel hat Weil sie selbst keine ganzen Juden mehr sein können, verwehren sie's auch uns, weil sie selbst den Weg zur Einheit nicht mehr finden können, wollen sie ihn auch uns versperren, weil1 sie selbst sich nicht mehr zum jüdischen Volk gehörig fühlen, 'behaupten sie, es gäbe gar kein jüdisches Volk. Auch die erste Art von Assimilanten steht in scharfem Gegensatz zu uns, aber wir kämpfen nicht gegen sie, sondern um ihre Seelen, weil wir wissen, dass sie auf einem falschen Wege sind. Der zweiten Gruppe aber bieten wir schärfsten Kampf, den» sie versucht die Lebensziele unseres Volkes zu gefährden. Wir müssen leider fürchten, dass die „Kameraden", jene neue „Jugendbewegung", die vom Zentralverein und vom K. C. aus „gemacht" wird, zur zweiten Art gehören. Denn wo die „Kameraden" bisher an die Öffentlichkeit getreten sind, sprechen sie teils ganz offen vom „Kampf gegen den Zionismus", teils wenden sie sich (wie z. B. in Stettin) als echte Jugendbewegung zunächst mal an die Eltern und warnen sie vor der Gefährdung ihrer Kinder durch die nationaljüdischen Organisationen. Alles übrige würden wir ihnen ja gern hingehen lassen. Dass sie vor 20 und 10 Jahren über die bösen Zionisten geischrieefl und getobt haben, „die sich bereits an die jüngste Jugend heranmachen und sie von ihren christlichen Mitschülern isolieren", und dass sie nun selbst genau dasselbe tun, das wollen wir verzeihen: sie haben eben von uns gelernt. Und dass auch sie plötzlich den Wert der körperlichen Ausbildung entdeckt haben, nachdem wir es seit 20 Jahren predigen und vor allem dem deutschen Judentum immer wieder vormachen — darüber können wir uns sogar im Interesse der Volksgesundheit freuen. Wir würden auch noch verstanden haben, wenn man etwa eine neue azionistische Jugendbewegung gegründet hätte, wie sie z. B. der „Neutrale Jugendver,band" — allerdings nicht immer mit Glück — zu sein versucht. Was wir aber nicht fassen können, ist, wie heute ein Jude antizionistisch sein kann. Hat man sich das überlegt? Hat man sich überlegt, dass dies Abfall bedeutet, Hochverrat, nationale Taufe! Dass es heisst seinem Volke in den Rücken