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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 12 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
12 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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10 ausübt und dass selbst da, wo sich anfänglich ein guter Betrieb zeigt, dieser meist sehr schnell nachlässt, was auf einen Mangel an Anregung oder irgendeine Unzweckmässigkeit in der technischen Durch: führung hindeutet. Alsdann habe ich die Ergebnisse unserer Arbeit mit unseren erstrebten Zielen verglichen und dabei wie jeder, der die Sachlage unvoreingenommen beurteilt, erkannt, dass wir mit der augenblicklichen Methode in viel zu geringem Umfange unseren Aufgaben gerecht werden. Von dieser Erkenntnis ausgehend, die auch i» Kuhns Erwiderung klar zum Ausdruck kommt, versuchte ich nun Mittel zur Abhilfe zu finden. Es galt demnach zunächst eine Form zu suchen, die den Turnbetrieb für die jüdischen Mas seh, die wir bisher nicht haben mitreissen können, anziehender gestaltet und ferner neue Wege zu einer intensiveren jüdischen und allgemein menschlichen Erziehung der bisher gewonnenen Anhänger unserer Ideen zu erforschen. Für die erste Aufgabe hielt ich die Differenzierung in der Ausbildung für geeignet, für die zweite die Schaffung von kleineren Gruppen durch Verlegung des Schwerpunktes der Erziehung vom Turnwart auf den Vorturner. Dieser letzte Vorschlag hat in beiden Entgegnungen Zustimmung gefunden, während der erste von Kuhn in seiner grundsätzlichen Bedeutung voll erkannt aber nicht unbedingt geteilt, von Pfeifel-Nathan- Kirschner entschieden abgelehnt wurde. Auf diesen Punkt muss ich also nochmals näher eingehen, wenngleich ich mir durchaus darüber klar bin, dass, solange es nicht gelingt, die entwickelten Gedanken praktisch auf dem Turnsaal zur Durchführung zu bringen, die Erörterungen darüber nur akademischen Wert haben. Alle modernen Pädagogen sind sich über die Notwendigkeit einer individuellen Erziehung, die auf Anlagen und Neigungen Bedacht nimmt, durchaus einig. In der Turnpraxis wird dem ja auch durch das Kürturnen unbewusst Rechnung getragen. Ich wollte dies jedoch b e w u s s t und vor allem systematisch ausgestaltet wissen. Dagegen wenden sich nun Pfeifel-Nathan-Kirschnermit aller Entschiedenheit. Es ist unmöglich im Rahmen eines Aufsatzes all ihre Missverständnisse und halbverstandenen Gedanken zu klären. D'e Entschiedenheit der Behauptung hat da manchmal der Gründlichkeit und Tiefe des Denkens Platz machen müssen. Da ist die uns alle« geläufige Maxime des „Mannes im Gliede" und das „feudale Kliquenwesen" mit der rein äusserlichen freien Wahl der Art der Leibesübung zu einem unverdaulichen Gedankenbrei in einen Topf geworfen. Da wird — wogegen ich mich stets ausdrücklich gewendet habe — ohne Rücksicht auf pädagogische Befähigung empfohlen, „eine Anzahl junger Leute, die sowohl im Kunstturnen als auch im volkstümlichen Turnen und Sport durchschnittlich Gutes leisten . . ,,zu" sammenzufassen und weiter auszubilden, damit sie die künftigen Erzieh er (!) in den Vereinen werden." Da wird von Konzessionen und Kompromissen gegenüber „differenzierenden Leutchen" ge' sprochen, ohne das Grundsätzliche und Systematische zu erkennen. —

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