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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 11 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
11 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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23 Hintertreffen gerät, wie dies jetzt der Fafl ist. Gerade heute beim Wiederaufbau der „J. T." müssten vor aflen Dingen die turnerischen Leistungen Propagiert werden und erst, wenn wir es auf diesem1 Gebiete zu einer straffen Organisation gebracht haben, wenn, es uns gelungen ist, einen Stab von Turnj'ar^en und Vorturnern heranzubilden, der seiner Aufgabe voll gewachsen ist, uann können wir daran denken, auch den geistigen Interessen unsere Aufmerksam- ' \ V\ f11 w^men- Eine ernste Gefährdung' unserer weiteren turnerischen Entwicklung bildet die Bevorziigung sportlicher Betätigung in den meisten vereinen. Ich erinnere nur an den „Bar Kochba", München, der dadurch y lerisdi auf einem Niveau angelangt ist, bei dem die Bezeichnung „TurninHin" r^cnt mcnr angebracht ist. Dasselbe Beispiel im Grossen ist heute n der „Deutschen Turnerschaft" zu konstatieren, bei der trotz hervorragender ."irischer Organisation der Hallenbetrieb durch das Sportfieber zurückgegangen zi &, braucht nicht gerade Sportgegner zu sein, um zu der Ueberzeugung u Wommen, dass die Vereinsdiszipu'n durch den Sport untergraben wird und *eiti jüdisches oder deutsches Sportfest der letzten Wochen, das iah gesehen e> hat mit seinem Gesamteindruck diese feststehende Tatsache widerlegen sonnen. Wenn wir also eine Turnerschaft werden wollen, wie wir sie irden müssen, so kann uns die Deutsche Turnerschaft, wie sie ° r dem Kriege war, als Vorbild dienen, die eine Turnerschaft geworden *''tJ1.Ur durch Turnen. Wenn wir dieses Ziel erreicht haben, dann, aber auch iü r <iaj111 dürfen wir nicht ausser Acht lassen, dass wir auch der national- I ,| s . ejl Idee dienen und ihr eine Stätte in unseren Vereinen errichten müssen. c" richte daher die dringende Majhnung an alle Turnbrüdier, ihre Kräfte nicht ,'u ^splittern, sondern ihr bestes Können und Wollen dafür einzusetzen, dass;r den einzig richtigen Weg einschlagen, der uns zum Erfolge führt und idieser eS 'kann für uns vorderhand nurTurnen heissen. Turnen stähft Körper ind Geist und macht das alte Wort wahr: „Nur in einem gesunden Körper *flnn ein gesunder Geist wohnen." Nachbemerkung der Redaktion. Wir glaubten die hier vorgetragenen Ansichten unsern Lesern nicht vorenthalten zu sollen^ obwohl wir sie aufs schärfste bekämpft haben. Die Gegengründe sind so häufig auseinandergesetzt worden und finden sich auch in den meisten Aufsätzen des vorliegenden Heftes in so scharfer Ausprägung, dass wir uns hier auf einige kurze Sätze beschränken können. Wir dienen nicht „auch" der nationaljüdischen Idee, sondern wir dienen ihr ganz, mit Leib und Seefe. Wir wollen nicht an die Stelle der einseitigen Ausbjidung des Geistes, die wir an andern Jugendorganisationen glauben rügen zu müssen, die noch viel verderblichere einseitige Ausbildung des Körpers setzen. Unsere Parole — und auch Riesenfelds Parole — lautet ja immer „Körper und Geist", was doch wohl auf eine Synthese, einen Ausgleich zwischen beiden Lebensmächten hinauskommt. Und wir können auch nicht eins nach dem andern machen, denn ebenso wie sich ein Kind körperlich und geistig zugleich entwickelt, so muss auch ein Volk diese eng zusammenhängenden Funktionen im Zusammenhange pflegen. Es hiesse das Oesetz des iLebens aufs schwerste verkennen! wenn man eine künstliche Scheidung zwischen diesen beiden Teilen unseres Ich herbeiführen wollte, wie die Seele nicht leben kann ohne Körper, so bleibt der Körper leblos Ohne Seele, und die „Jüdische Turnerschaft" soll weder ein ätherischer körperloser Geisteshauch, noch ein unbeseefter (Leib sein, sondern das Bild des lebendigen jüdischen Menschen darstellen. Hier gilt das Wort des deutschen Jugendführers Gustaf Wyneken: „Das Reich des Körpers ist ein geistiges Reich." E. S. 11

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