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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 11 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
11 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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20 (Deine Eindrücke oon der Tournee der Wiener 5aftoahner nadi Berlin und fDünchen, Von Dr. Erich Friedmann - Wien. Vorbemerkvngder Redaktion: Dieser Artikel unseres Wiener Freundes enthält manches offene Wort, für das wir ihm danken wollen. Es ist zwar möglich, dass er einige unserer Fehler etwas \berschätzt — so scheint sich gerade im Berliner Bar-Kochba in letzter Zeit ein ziemlich enges persönliches Zusammenleben zu zeigen — trotzdem aber werden wir ihm im Grossen und Ganzen' wonf zustimmen müssen. Wir wollen uns bemühen, unsere Vorzüge zu behalten und zu vertiefen, unsere Fehfer aber möglichst schnell abzulegen. Jeder, der durch Kritik dazu hilft, ist unser Freund. Durch die langen Kriegsjahre hindurch war es den sportlichen Zentren der jüdischen Turn- und Sportorganisation nicht möglich, mit einander in sportliche Verbindung zu treten, als aber in den ersten Friedensmonaten sich die Reihen der Mitglieder wieder füllten, als es gelungen war, eine festgefügte Innenorganisation zu schaffen, da erkannte man wieder die Notwendigkeit, die gegenseitige Verbindung wieder herzustellen und nahm das Berliner Sportfest zum Anlass, das Kräfteverhältnis zu prüfen. Zum erstenmal seit dem Jahre 1912 waren wieder einmal jüdische Turner resp. Sportsleute aus Wien Gäste des Berliner Bar Kochba, 1912 hatte die Wiener Turnerschaft noch keine eigene Athletikabteilung und es wirkte wie eine Offenbarung, als die Bar Kochbaner, die im Turnsaale den Wienern unterlegen waren, am Sportplatze mühelos siegten. Dieses erste Zusammentreffen brachte nun bald tiefgreifende Wirkungen. Die Wiener befassten sich von nun ab ernst mit dem Sporte und das nächste Jahr zeigte bereits anlässlicb des Zionistenkongresses einen Wettstreit ebenbürtiger Konkurrenten. Das heurige Zusammentreffen sollte nunmehr Aufschiluss geben über die Arbeit, die von den beiden Gruppen in den Kriegsjahren und im ersten Friedensjahre geleistet wurde. Die Berliner Organisation der jüdischen Turn- und Sportbewegung hat im ganzen einen sehr guten Eindruck auf uns gemacht, wobei1 111 Betracht gezogen ist, dass anlässlich solcher Veranstaltungen, bei der auswärtige Sportbrüder anwesend sind, naturgemäss alle verfügbaren Kräfte herangezogen werden und alles aufgeboten wird, um Mängel der internen Organisation zu verdecken. Trotzdem konnte man deutlich den Grundfehler der Berliner Organisation erkennen: den Mangel an persönlichem Zusammengehörigkeitsgefühl. Mit Ausnahme der Ruderabteitun g e n konnte man in jeder Abteilung beobachten, dass die Leute einander ziemlich gleichgültig gegenüberstehen, dass sie ausser in ihiren Uebungsstundc« keinen gesellschaftlichen und menschlichen .Kontakt miteinander haben. D«r Grund liegt allerdings in den von den Wiener grundverschiedenen Berliner Verhältnissen, im Bar Kochba und seinen Mitgliedern spiegelt sich die Grosstadt Berlin mit seinem grosszügigen dezentralisierten Wesen wieder. Ein jüdischer Verein mussaber in seinerStrukturancfers beschaffen sein. Es genügt nicht, dass mian sein eigenes Sekretariat, seine eigenen Turnsale, Sportplätze usw. hat, es genügt nicht, diass die Mitglieder zahlreich bei den Uebungen erscheinen, man muss. auch eine gesellschaftliche Sphäre schaffenV in die die Mitglieder hineingezogen werden. Also nicht nur Gemeinschaft an der Sache, sondern auch gesellschaftliche Gemeinschaft ist Haupterfordernis für einen jüdischen Verein, und das ist es, was die Wiener Hakoah in ungeheurem Masse vor der Berliner Bar Kochba voraus hat. Ständiger gesellschaftlicher Kontakt, welcher täglich im Klubheim, allwöchentlich bei den sportlichen Veranstaltungen und den im Anschluss daran stattfindenden Klubabenden, ferner allmonatlich bei den grossen Gesellschaftsveranstaltungen aufrecht erhalten wird. Dieses persönliche Zusammenhalten bewirkt ein viel intensiveres Arbeiten für die Sache, Arbeitskräfte werden viel leichter gewonnen und herangezogen.

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