Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 11 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 sehr bewahrt hat. — Die beiden Referate des Vorstandes (Exiner und S i m o n) haben allgemein gefallen. Auf Mängel in der bisherigen Organisation wurde hingewiesen (Jugendorganisation), neben den auf ihre Abstellung gerichteten Oedanken aber auch neue gebracht (hebr. Kommando, Duzkomment), die die Bewegung wiederum von neuer, besonderer Seite zeigten. Die alten Fragen, u J-% €in5n 90 breiten Raum 'n den Debatten eingenommen haben (wie die, ob die Turnbewegung zionistisch oder nationaljüdisch sein soll), sind für uns erledigt, neue, die ihren Charakter stärker betonen oder sie von besonderer t>eite zeigen, treten in den Vordergrund. — Die Be r i c h t ej der Vereine klangen im grossen und ganzen befriedigend. Einzelne Vereine haben noch mit grossen bchwiengkeiten zu kämpfen, andere befinden sich in prächtigem Aufschwung, fcs sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, dass diese Berichte selbstverständlich von jeder Schönfärberei frei bleiben müssen. Hat ein Verein Misserfolge, soll er sie offen zugeben. Oft lassen sich für schwachen Betrieb audh stichhaltige Gründe anführen, wie bei Köln, wo die Besatzungs- Denorden wahrend des Winters einen vernünftigen Turnbetrieb unmöglich machten. — Recht erfreulich war die Tatsache, dass in der Debatte in den grossen ugenr,Elnigkeit h€rrscm*. Wenn bei der Besprechung des nationaljüdischen Programms (These 2 und 3) von einigen Seiten Bedenken laut wurden, so waren diese nicht prinzipieller, sondern taktischer Natur, weil diese Vereine erst turnerisch auf die Höhe gebracht werden sollen. Erfreulich war auch, dass die vom Vorsiande verlangten Beiträge einstimmig und ohne grosse Debatte bewilligt wurden, ein prächtiger Ausdruck für das enge Verhältnis zwischen Vorstand und Vereinen. Wi? fühlten uns nicht als Parlamentsmitglieder einer Regierung gegenüber, deren Etat man von vorneherein mit Misstrauen aufnimmt und nach Möglichkeit kürzt, sondern unser Verhältnis war ein Vertrauensverhältnis. Wenn der Vorstand uns sagte, dass die Erhöhung. u B,Utriges um 6 Mark nötig sei, so glaubten wir ihm das und bewilligten Ohne Widerspruch die gewiss nicht geringe Forderung. — Den grössten Gewinn durften von der Tagung diejenigen gehabt haben, die eine solche zum ersten Male mitmachten; ihnen ist der tiefere Sinn der Bewegung in. einer bisher nicht möglichen Weise War geworden. Denn den Geist einer Bewegung kann man nicht aflein aus Mitteilungen äfterer Kameraden, Korrespondenzen und der Jüdischen Turn- und Sportzeitung erfassen, sondern dazu gehört mündlicher uedankenausrausch. Ich möchte deshalb wünschen, dass unsere grossen Tagungen von möglichst vielen Delegierten eines jedlen einzelnen Vereins besucht werden. Jener Geist, der die Bewegung auszeichnen soll, muss sich möglichst vieTen mitteilen. Ueberhaupt darf unsere Sache nicht auf Einzelne gestellt sein, schon weil der Einzelne plötzlich ausscheiden kann. Einen Stamm von Fuhrern auszubilden, von denen jeder zu jeder Zeit die Leitung übernehmen kann ist die wichtigste Aufgabe jedes Vereins. Deshalb mögen die Vereine die Kosten für mehrere Vertreter nicht scheuen, sie werden durdfi! däe Vort««e reichlich .aufgewogen. Dass ein Verein überhaupt nicht vertreten ist, wie es in München der FafI war, darf nicht vorkommen, auch wenn die Reise noch so weit ist. — Zu erwähnen ist noch, dass die Stimmung unter den Vertretern sefbst eine ausgezeichnete war. Der kleine Kreis ging durch die Einführung des Duzkomments der Tunlerschaft mit gutem Beispief voran und zeigte, dass diese Frage trotz mancher Bedenken, die auf der Tagung nicht verschwiegen wurden, wohl in bejahendem Sinne zu lösen ist. Soviel von den allgemeinen Eindrucken. Manches ist noch zu einzelnen Punkten zu sagen. Zu der'musikalisch-literarischen Veranstatung des Abends gestatte ich mir die Bemerkung, dass' sie, so stimmungsvoll sie auch war und so sehr wir den Münchenern für diesen wahrhaft jüdischen Abend zu Danke verpflichtet sind, einen argen Schönheitsfehler hatte: sie begann mit grosser Unpünktlichkeit. Ich bin der Ansicht, dass sie bei Turnern noch weniger am Platze ist als sonstwo. Denn zwei Eigenschaften sollen uns vor allen Dingen auszeichnen: Disziplin und Pünktlichkeit Und diese Pünktlichkeit soll nicht nur auf dem Turnboden herrschen, sondern i"