Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 11 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 wilde und verzweifelte Anklagen gegen den Schöpfer droben, der sie ruhig sterben lässt, ertönen, auch kein Angstgeschrei, sondern das in diesem Zusammenhang dreifach erschütternde Gebet: „Uns lieg* es ob, zu verherrlichen den Herrn des Alls, die Ehre zu geben dem Schöpfer der Welt, dass er uns nicht hat sein lassen w'e die Völker der Erde und uns nicht gleichgestellt den Geschlechtern des Erdbodens!..." — Wenn nach einer Definition für „jüdisch'' und „Judentum" gesucht wird, sollte man, meine ich, auf diese und die tausende gleichartiger Szenen verweisen, die unsere Geschichte kennt. Und wenn man darüber hinaus durchaus noch Worte und Begriffe braucht, um klar zu machen, was gefühlsmässig nicht eingehen will, so sage man höchstens noch: Dem Judentum ist das Bekennen nichts, das Handeln aUe.s' Ein Leben in Reinheit, Heiligung des Alltags, ein Denken nicht ifl Egoismen, sondern gegründet auf dem Gefühl der Verantwortung gegen' über der Umwelt, aber auch gegenüber den Geschlechtern, die vor uns waren und die nach uns kommen werden, — das erscheint uns jüdisch. ' ' , (Ii " I Nehmen wir einmal diese Begriffsbestimmungen als gegeben an» so lautet die nächste Frage: „Genügt die Erziehungsarbeit unserer Jugendorganisationen, um die ihnen anvertrauten Menschen dem jüd'* sehen Ideal näher zu bringen?" Die offene und ehrliche Antwor muss lauten: „Nein!" Und das ist, wie oben schon einmal gesag > durchaus nicht nur Schuld der Organisationen. Denn sie, treijje" sie nun Sport oder Geistesgymnastik, können hauptsächlich de äusseren Menschen modeln, bestenfalls sein Wissen stärken, sei" Gesinnung ertüchtigen, seine Ueberzeugung vertiefen. Aber rei menschlich packen sie ihn nicht, weil der Prozess des „Zum-jüdische»' Menschen -Werden" nur aus dem Inneren des Einzelnen herau erwachen und zu Ende geführt werden kann. So kann sich gera _ der Suchende und ehrlich um das Judentum Ringende in einer u^eri aus „gut-organisierten", in einer durchaus gesinnungstüchtigen un vorzüglich geleiteten zionistischen und nationaljüdischen (natürlich auc in jeder auf anderem jüdisch-politischen Standpunkt stehenden) u meinschaft seelisch völlig vereinsamt fühlen. Was aber ist der Grun hierfür? Ganz einfach der, dass überall in den Vereinen, Gruppfj1^ studentischen Organisationen der Einzelne seine rein menschlipn Betätigung und Lebensweise gradlinig : wie mit einem Sezief messer abgeschnitten, von seiner jüdischen und Y e r einstätigkeit trennt. Und weil der das Judentum in diese Organisationen Suchende das sehr bald, wenn er menschlich von vi ei seiner Weggenossen enttäuscht wurde, erkennt und nun an a*'e zu zweifeln beginnt. Immer und immer wieder muss man es sage i dass es keine Zweiteilung der Persönlichkeit gibt, da man nicht als Jude und Zionist ethische und in ihrer Schönheit Pe le uchtende Ziele und Ideale propagieren und zu erreichen suchen kafl' gleichzeitig aber, sein menschliches Privatdasein dem Einfluss d Judentums entziehend, ein idealloses, unethisches, unvornehmes Lebe