Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 9/10 (1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
9/10 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492385-5965061-5965392--249-4923165
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

32 Jugend hat ein Recht, unter sich zu sein und besonders Jugend, die in anderen Anschauungen lebt als ihre Umwelt. Dieses Recht wird zur Pflicht der Abschliessung, wenn anders gerichtete Individuen, die in der Gemeinschaft nicht aufzugehen vermögen, einein Fremdkörper in ihr bilden. Wenn auch die augenblickliche Lage der Juden und die ewige Kampfstellung der Nationaldenkenden gegen die Träger und Ignoranten gebieterisch den Zusammenscjhluss fordern, so bedingt das doch nicht ein Aufgeben unsrer besonderen Art. Gewiss ist Jugendbewegung nur „ein dienendes, kein autonomes Glied in der grossen Volksbewegung", aber auch ein gleichberechtigtes. Der grundlegende Irrtum in den Ansichten der anderen wurzelt in der Unkenntnis der psychologischen Eigenart der Jugend. Sonst würden nicht im übrigen reife Menschen der Jugend mit dem kategorischen Imperativ der Pflicht entgegentreten. Jugend hat, wie ein grosser Jugendführer sagt, kein Verständnis für Pflichtbegriffe. Andre Bindungen müssen darum für sie gefunden werden. Das sind die persönlichen, die in unserm Führer-(Helden-)Prinzip zum Ausdruck kommen. Wie soll denn auch ein engeres persönliches Zusammenarbeite?! mit den anderen möglich sein, wenn von diesen nicht einmal die; elementarsten Bedingungen menschlicher Erneuerung befolgt werden! Alle Bestrebungen Aussenstehender, auf die Arbeit des Blau-Weiss Einfluss zu gewinnen, müssen solange scheitern, wie diese glauben, ohne geistige Einstellung auf das Wesen der Jugendbewegung von höherer Warte aus Richtung angeben zu können. Trotzdem geht das Gefühl der Verantwortlichkeit, das sich zur Beobachtung aller innerhalb der grossen Bewegung sich abspielenden Vorgänge für verpflichtet hält, von einer im Grunde richtigen Anschauung aus. Gegenstandslos wird es erst durch den Mangel an Kenntnis von unsrer Bewegung, der dann dazu führt, unsern natürlichen Abschüttlungswillen als Eigenbrödelei und Hochmut zu verdammen. — Die meistens bei Blau-Weissen herrschende Unfähigkeit aber, in zionistischen Organisationen zu arbeiten, sollte doch nicht aus der Verkehrtheit der Blau-Weiss-Erziehungsmethoden erklärt, sondern bei den uns widerstrebenden, veräusserlichenden Arbeitsweisen und dem Fehlen an sozialer und menschlicher Weltauffassung dort gesucht werden. Wenn die ältere Generation als den natürlichen Lauf der Dinge erkannt haben wird, dass das Nichtmehrmitkönnen eine normale Erscheinung ist, die jedem Geschlecht einmal widerfahren muss, dann wird sie das Mittel finden, das allein das Bindeglied zur Jugend sein kann: Das Vertrauen! Das Vertrauen, das darauf verzichtet, der vorwartsstürmenden Jugend die Bahn vorzuschreiben. Jugend aber und Alter wird man nicht nach Jahren begrenzen, sondern einzig nach dem Grad des Empfindungsvermögens. Doch wer mit uns arbeiten will, prüfe sich zuvor, ob er den notwendigen Idealismus, ob er die starke Liebe zur Jugend hat, ob er die Fähigkeit, befeit?*, sich frei zu machen von Bedingtheiten und bürgerlichen Engherzigkeiten, um nötigenfalls sein Leben umstellen zu können im Sinne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.