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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 9/10 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
9/10 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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31 sammluncsluft aufgewachsen sind, alle Luxusgewohnheiten von sich werten können, wenn es plötzlich einmal von ihnen verlangt wird? Deshalb arbeiten wir auf eine möglichst allgemeine Beruf s um- Schichtung hin Ferner soll der moderne Jude fähig werden die individuelle Selbstgenügsamkeit mit der Fähigkeit zu vertauschen, aufzugehen in der Gemeinschaft unter voller Beibehaltung persönlicher Eigenart. Das wichtigste Ziel muss darum sein: Die Erziehung zu Gern ein Schaftsgesinnung und zur Erkenntnis des sittlichen Wertes persönlicher Arbeit. Für die Richtigkeit unsrer Prinzipien spricht klar die Tatsache, dass mit Ausnahme der sozialistischen Arbeitervereinigungen nur aus dem B lau-Weiss Menschen m grösserer Zahl hervorgegangen sind, die alle sogenannte Zivilisation Feistigkeit und Geringschätzung der körperlichen Arbeit von sicn geworfen und sich zum Aufbau Erez Jisroels ihrem Volke ganz zur Verfügung gestellt haben. Aus all unsren menschlichen Bestrebungen erhoffen wir auch eine Erhöhung des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern zur Reinheit und Natürlichkeit. Der beste Leiter wird für jeden, zu einem richtigen Verantwortungsgefühl Erzogenen, das Gewissen sein. Wir glauben hierzu auf dem richtigen wege zu sein, während auf selten der anderen für diese, eine ider wichtigsten Vorbedingungen menschlicher Erneuerung, nichts geschieht. Falsch wäre es auch, wollte man annehmen, dass alle Errungenschaften der Kultur wahllos verworfen werden sollten. Nur eine natürlichere, schönere Wertung aller Begriffe soll einsetzen. Bisher haben sich diese Zeilen nur mit den Wegen zur W1 e d e rmensch\verdung befasst; die Wege zum Wiederjudiscnwerden sollen nunmehr betrachtet werden. Verschiedenartig sind die Meinungen und Wünsche hierüber, wie die Richtungen der national fühlenden Judenheit, die alle Zion vor Augen haben. Wahrend man auf einer Seite das Wesen des Judeseins nur in restloser Erfüllung der traditionellen Gesetze erblicken möchte, gibt es eine andere Anschauung, die es für möglich hält, Jude zu sein oder zu werdeji durch das b 1 o s s e Gefühl der Zugehörigkeit, die Bejahung der Blutsbande. Zugegeben dass die Stärke eines derartigen Judeseins der des vorher geschilderten nicht nachzustehen braucht, ist es doch offenbar, dass ein solches Empfinden nur das des selbstgenugsamen Individualisten sein kann, den wir überwinden wollen und müssen. Dem Blau-Weiss bedeutet das eine einen Gewissenszwang, den auszuüben er sich nicht für berechtigt hält, das andere dagegen ein unbestimmtes Etwas ohne Fleisch und Blut. Wir können uns eine gesunde, lebendige Fortentwicklung der erstarrten jüdischen Ueberlieferung nicht vorstellen, wenn sich die, freilich grosse, Vergangenheit der Zukunft in den Weg stellen darf, wenn junges schaffensdürstendes Menschentum nur zum Rückwärts-, statt zum Vorwärtsbhcken angehalten wird. Daher erblicken wir unsre Aufgabe auf diesem Gebiete im Vertrautmachen der jungen Generation mit allen jüdischen Inhalten und Begriffen, müssen es ihr aber dann überlassen, ob sie diese vom geschichtlichen oder religiösen Standpunkte aus werten will.

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