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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 9/10 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
9/10 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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30 Mensch konnte von dieser Umwandlung nicht unberührt bleiben: AH das, was man in Kleidung und Art bei den zur inneren Erkenntnis Gelangten als gemacht empfindet, ist natürliche Folge dieser Entwicklung. Die Stellung zu Alkohol, Nikotin und zur Frage der Geschlechter ergab sich von selbst. — Diese Entwicklung der Dinge musste zunächst naturnotwendig zu einer Entfremdung zwischen den Jungen und den Alten, zwischen Schülern und Lehrern, Kindern und Eltern führen, die aber da, wo das Alter die Jugend zu verstehen suchte, teilweise wieder überwunden wurde. So war der Stand der Sache, als sich gegen das Jahr 1912 die bis dahin meist ohne nationales Bewusstsein in den deutschen Wanderverbänden verstreuten Juden durch die sich ausbreitenden deutschvölkischen, rein-germanischen Bestrebungen zur Absonderung veranlasst fühlten. Das Gefühl der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke erwachte, und bald fanden sich die aus ihnen hervorgegangenen Bünde unter der nationalen Fahne im Blau-Weiss zusammen. Musste sich im wesentlichen diese neue jüdische Jugendbewegung infolge gleicher menschlicher Ziele als ein Teil der die ganze Welt durchbrausenden Bewegung fühlen —- hatten wir doch auch das völkische (nicht chauvinistische!) Bestreben mit jenen gemeinsam — so kam bald ein gewichtiges, das ganze Bild veränderndes Moment hinzu: Der Wille zur körperlichen und geistigen Erneuerung unseres mehr und mehr sich auflösenden Volkes. Dadurch zerfällt anscheinend die Aufgabe des Blau-Weiss in zwei Teile: Erziehung zum Menschentum und Erziehung zum Judentum. Doch lassen sich diese beiden Ideale vereinen in der Auffassung des Judentums nicht nur als religiöses oder historisch-nationales, sondern auch als höchstes menschliches Ziel des Juden. In diesem Ziele unterscheidet sich der Blau-Weiss nicht von den Organisationen K. J. V., Turnerschaft, Herzl-Bund usw., wohl aber im Wege, es zu erreichen. Während uns Nationaljudentum völlige Erneuerung des Lebens bedeutet, begnügt man sich dort mit Erstreben eines möglichst grossen zionistischen Wissens, mit Ausbildung zu der gewiss sehr nötigen Propagandatätigkeit. [? Die Red.J Unsere Erziehung richtet sich also in erster Linie auf den Menschen, denn nur auf dem Wege über Menschentum zum Judentum glauben wir, das Geschlecht heranziehen zu können, das Erez Jisroel zu erbauen vermag. Fernhalten wollen wir vom heissersehnten Boden unsrer Väter die Entartungen europäischer Kultur, sowie die Keimzelle aller Unmoral, den Kapitalismus. Gereinigt von Egoismus und von Begierden wollen wir die Schwelle zu einem neuen Abschnitte unsrer Geschichte überschreiten. Zu grösserer sozialer Verantwortlichkeit soll sich jeder erziehen. Hierzu aber ist notwendig eine Einstellung zu diesem hohen Gesichtspunkte von früh an, damit wir nicht dereinst das Schicksal des heutigen Europa zu teilen brauchen. Wir wollen nicht, dass ein Teil unsres Volkes in dulci jubilo lebein soll, während der andere Schweiss und Blut für die Gemeinschaft vergiesst. Glaubt man aber, dass Menschen, die in Salon- und Ver-

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