Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 9/10 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Vereinheitlichung des Turnsystems und der einheitlichen Führung des Turnbetriebes geben sollen. Allen Vereinen mangelt es an entsprechenden Vorturnern und ganz besonders an Vorturnerinnen, und daher konzentriert sich unser aller Streben in der Erziehungsarbeit, besonders in der Ausbildung unseres Nachwuchses, der Zöglinge. Zur Sichtung der turnerischen Fähigkeiten hat die Pfingsten in Prag stattgefundene Kreis vorturnertagung eine Wertung nach drei Stufen angeordnet, die eben durchgeführt wird. Die am 29. Juni in Brünn stattgefundene Pfenarversammlung der Kreisleitung hat einmütig beschlossen, jeden Verein zu beauftragen, einen Vorturnerkursus zu eröffnen und mit dessen Leitung in Ermangelung eigener ILehrkräfte eine bezahlte Lehrkraft zu betrauen. Jeden dritten Alpnat hat eine gemeinsame Kreisvorturnerstunde stattzufinden. Die zweite Kreisvorturnerstunde hat im September d. J. im (Sitze eines mährischen Vereins stattgefunden. ' ■ , Das Leben in den einzelnen Vereinen ist infolge der obwaltenden Kriegsverhältnisse noch nicht vollkommen normal; viele Turnbrüder, meistens immer die besten und führenden Männer hat der Krieg gefordert und viele, andere stehen noch im Heeresdienste. Nichtsdestoweniger sieht man erfreuliche Anzeichen eines neuen Lebens in den meisten Vereinen; M a k k a b i Brülnn absolvierte atn 29. Juni sein erstes öffentliches Schauturnen mit ca. 30Ü Turnern und Turnerinnen, Makkabi Boskowitz veranstaltete am 10. August das erste öffentliche Schauturnen/.1, Von einem Kreisschauturnen in diesem Verwaltungsjahr hat der Tumtag abgesehen, um die ganze Tätigkeit auf innere Erstarkung der einzelnen Einheiten zu toventrieren. Die Tätigkeit des Krefe*s> der ILandesörganisationen und aller Vereine Zielt auch auf die planmässige Propaganda unserer Bewegung ab, so dass sich die stattliche Anzahl von \o >ieugegründeten Vereinen resp. Ortsgruppen aufweisen lässt. Durchreisende Turnbrüder wenden sich in Prag an H. Josef Schick, Prag, I. Graben; in Brünn an H. Ernst SehusChny, Brünn, Koliste No. 69; in Bratislava (Pressburg) an H. Edmund Kalmar, Bratislava, Venturigasse 11. bilauen, Im Dezember 1918 wurde hier in Liebau vom Kreis1 „Achdus Utchio" ein jüdischer Turnverein gegründet, dessen Mitgliederzahl schnell anwuchs. Zuerst wurde der Turnverein nur für d5Je Knaben eröffnet. Bereitsl zwei Monate, später, als wir mehr (Lehrkräfte bekamen, konnten sich auch die Mädchen mit Turnen beschäftigen. Die Jungen machen meistens Freiübungen, auch turnen sie an Geräten, und durch Marschieren und Ringkampf, der regelmässig eüirnal in der Woche stattfindet, entwickeln sie immler mehr ihre physische Kraft. Die Mädchen beschäftigen sich mit Gerät und Freiübungen, die zur Entwicklung oet Grazie und Elastizität dienen. In kurzer Zeit erlebte der Turnverein einen grossen Aufschwung. Eine Ruder- und eine Fu s s ba M - Gruppe wurden gegründet; zweimal in der Wlochfe rudern die Turner auf den Libauschan See hinaus, wo säe auch Wettfahrten veranstalten. Zweimal in der Woche kommen sie auch am Strande zusammen, um Fpsjsball zu spielen. Durch Turnfeste sucht der Turnverein der Btedt zw zeigen, welche Erfolge man bereits erziem hat. Wer heute sieht, wie die Knaben mit grosser Geschicklichkeit klettern, springen und turnen, hatte kaum dfte sfchNvachen', ängstlichen Juagjen von ivorhe» wieder erkannt. Wer gesehen hätte, mit welcher Anmut die Mädcheni die ziemlich schwierigen Uebungen machten, hätte nicht geglaubt, wie Mnkisch und unfeschickt sie am Anfang waren. Das alles lässt uns hoffen, dass in allernächster leit wir eine kraftvolte, frischte Jugend haben werden, welche ein; starkes, kampffähiges jüdisches Volk bilden wird.