Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 8 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492385-5965061-5965391--195-4923112- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
27 plane ersonnen. Das Mittagessen wurde mit nervöser Hast eingenommen. Sämtliche Spieler mussten sich strenge Diät halten. Nach dem Essen wurde etwa eine Stunde Ruhe gepflegt. Dann ging es auf den Sportplatz. Dieser bot mit seinen natürlichen Tribünen ein imposantes Bild dar. Kopf an Kopf standen die Zuschauer. Selbst aus Lemberg waren Juden, trotz des unfreundlichen Wetters gekommen, um die Hakoah zu sehen. Ein Beifallsjubel brauste über den Platz als Jungjuda sichtbar wurde. Die Hakoahner machten aber auch einen glänzenden Eindruck. Die weisse Dress mit dem Mögen Dovid an der Brust Hess die bärenstarken, sehnigen Gestalten im bestell Lichte erscheinen. Nicht minder gross war der Beifall, als die Einheimischen das Spielfeld betraten. Unter atemloser Stille begann der Wettkampf. Die Hakoah spielte mit kolossaler Begeisterung. Das nur zaghaft Qehoffte wurde Wirklichkeit. Wir rangen den mächtigen Gegner nieder. Wir blieben Sieger. Der Jubel war unbeschreiblich. Ein Qrossteil der jüdischen Zuseher verstand die Regeln des Spieles nicht. Trotz alledem wiederholten sie immer wieder mit heiser geschriener Stimme 2:1 und ihre Augen funkelten. Der Ernst war vorbei. Rasch wurde noch ein Siegestelegramm nach Wien aufgegeben und dann ging es zum Bankett, aas uns zu Ehren gegeben wurde. Und da jjerade P u r i m war, so hatten die Hakoahner Gelegenheit, ihrer Laune und ihrem Witz keine Zügel anlegen zu müssen. Zeitlich früh neuerliche Einwaggonierung! Unter der Führung LV. Wagners waren sämtliche Bielitzer Juden am Bahnhof erschienen. uie Hakoahhymne ertönte, und als wir fortfuhren, Hessen wir nur Freunde zurück. Bis Schönbrunn kamen uns die Troppauer Gesinnungsgenossen entgegen. Das Wetter war trübe und man befürchtete Regen. Als wir jedoch knapp vor Mittag das Ziel erreichten, war schönes netter. Die Herren des Troppauer Vereines Jeschurun leisteten uns j?ls zum Beginn des Wettkampfes Gesellschaft. Auf der Fahrt zum ^Portplatz war ein nervöser Ernst bei den Spielern unverkennbar, ^uchtig beengte eine nach Tausenden zählende Menschenmasse das Spielfeld. Nicht nur die westschlesischen Juden waren gekommen, sondern auch die angrenzenden Städte Mährens waren vertreten. Unter unbeschreiblichem Jubel blieb die Hakoah-Elf wieder Sieger. Unsere Leistung stellte die in Bielitte gezeigte weit in den Schatten. Unser Auftreten bedeutete für Troppau eine Sensation. Am Abend war eine kleine gemütliche Zusammenkunft mit den einheimischen Zionisten. Am nächsten Tage, an dem der Revanchekampf stattfand, herrschte öei einem Teil unserer Spieler Entmutigung. Der Körper verlangte nach seinem Rechte. Die Anstrengungen der letzten Tage waren aber auch zu gross. Vor der Abfahrt zum Sportplatz versammelte, der Spielführer seine Getreuen um sich und wies mit kernigen Worten 8