Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 8 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 (DU der Bahoah in Schlesien/» Vor dem Kriege, im Jahre 1913 war es, als an die Hakoah die Aufforderung erging, in Schlesien sportliche Wettkämpfe auszutragen, um durch ihr Auftreten der nationaljüdischen Idee neue Anhänger zu bringen. Einige Wochen vor Ostern brachte unser Vizepräsident Dr. Körner die Anregung, dass wir zu Ostern eine Agitationsfahrr nach Troppau und Bielitz unternehmen sollten, um mit den dortigen Vereinen Fussballwettkämpfe auszutragen. Die Anregung wurde mit Begeisterung aufgegriffen und bald war mit Hilfe der Beelitzer und Troppauer Zionisten der Matches gesichert. Von der Aufregung, die diese Tatsache bei sämtlichen Hakoahnern auslöste, kann sich nur ein Eingeweihter eine Vorstellung machen. Die Hakoah bestand erst seit vier Jahren und hatte sich ohne Unterstützung, angefeindet von allen Seiten, zu einer sicherlich respektablen Spielstärke emporgearbeitet. Doch war sie noch nie vor eine so schwere Aufgabe gestellt worden. Da der Deutsche Sportverein Troppau und auch der Bielitzer Sportklub über reiche finanzielle Mitteln verfügten, war es ihnen nicht schwer, sich Wiener Spieler von internationalem Ruf zu verschreiben, so dass unsere Aussichten auf Erfolg von vornherein nicht rosig waren. Bedenkt man noch die lange Eisenbahnfahrt und dass wir an drei aufeinanderfolgenden Tagen spielen sollten und dennoch einen guten Eindruck hinterlassen mussten, um den Propagandazwecken zu genügen, so wird man die Aufregung wohl verstehen. Jeder, der ein Hakoahnerherz in seiner Brust schlagen fühlte, war schon lange vor Abgang des Zuges am Nordbahnhofe. Die Spieler selbst und eine stattliche Anzahl von „Schlachtenbummlern" versammelten sich bei mir zuhause. Mit reichlich guten Ratschlägen, EssVorräten und allen möglichen Dingen, um Kurzweil zu treiben, versehen, machten wir uns auf den Weg. Die Einwaggonierung ging bei glänzendster Laune glatt von statten. Knapp vor Abgang des Zuges tritt vollkommene Ruhe ein. Dr. Körner hält an uns eine markige Ansprache. Die älteren Reiseteilnehmer verziehen die Gesichter, die jüngeren haben Tränen in den Augen. Die blauweissen Jungen lassen der Sentimentalität aber nicht Tange die Vorherrschaft. Die Lokomotive pfeift, der Zug setzt sich in Bewegung, hunderte Hände strecken sich in die Höhe, ein mächtiges Hedad macht die Halle erzittern, und fort geht es. Sonntag früh Ankunft in Bielitz. Die jüdische Jugend war korporativ am Bahnhof, aber auch ältere Herren waren erschienen. Dr. Wagner begrüsste uns im Namen der einheimischen Juden aU'S Herzlichste. Ziemlich müde kamen wir im Hotel an. Aber auch jetzt dachte niemand an Ruhe. Unsere Gesinnungsgenossen bemühten sich ununterbrochen um uns. Freundschaften wurden geschlossen und Autogramme verteilt. Ratschläge wurden gegeben und Schlachten^ *) Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Hagibor", Wien. Ja"r" gang 1910, Nr. 16.