Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 8 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 d) Ukraine, Von Georg Israel, J. T. V. Bar Kochba, Berlin. An den Häusern des Städtchens T a 1 n o j e im Kiewer Gouvernement sieht man ganz grosse Aufschriften hingemalt: Juden stimmt for'n Zettel . . . und dann die Nummer irgend einer Liste. Auch an den Synagogen, sogar an der grossen Schul des Reb Dowidl aus Talnoje war in dieser Weise für die Wahl zum Jüdischem Nationalrat in der Ukraine von den verschiedenen Parteien Propaganda gemacht worden. Als wir im Sommer 1918 nach Talnoje kamen, waren alle diese Anfänge eines politischen Lebens der ukrainischen Judenheit, die der Revolution zu verdanken waren, durch die von den Deutschen unterstützte Herrschaft des Hetman Skoropadski und durch die militärische Besatzung erstickt. Das Wirtschaftsleben war durch unzählige Bestimmungen gehemmt und nahm vielen der jüdisch besonders Interessierten Zeit und Mut zu jüdischer Arbeit. Im Hintergrunde lauerte die Pogromgefahr, die ab und zu in Massakres zum Ausbruch kam. Trotz alledem gelang es der Jugend, einige zionistische Arbeit zu tun. Ich bemühte mich indieser kleinen Stadt, die mit ihren 3000 Einwohnern zur Hälfte aus Juden bestand, grösseres Interesse für die Turnbewegung und die Fragen der nationalen Erneuerung zu erwecken. Ich freute mich, als ich hörte, dass der jüdische Turnverein „Maccabi" i?us Uman (einer grösseren Kreisstadt in der Nähe von Talnoje), «1° öffentliches Schauturnen veranstalten wollte. Der grosse Saal des Talnojer Volkshauses war mit Zuschauern überfüllt. Ich sprach vorher mit dem Leiter des Turnvereins, einem frischen Studenten, der vorher in Moskau auf der technischen Hochschule studiert und dort in der Turnbewegung mitgearbeitet hatte. Er war auch der Gründer des Umaner „Maccabi". ( Unter den Klängen des Maccabi-Marsches marschierten 12 Turner in einem kunstvollen Aufmarsch auf der Bühne auf. Dann folgten Freiübungen nach hebräischem Kommando, die sehr exakt ausgeführt wurden. Da Geräte nicht zur Verfügung standen, konnten die „Maccabäer" nur Freiübungen, Stabübungen und sehr gutgestellte Pyramiden zeigen. Die Haltung der Turner war stramm, einzelne ragten durch besondere Leistungen hervor. Ich sprach da»n noch längere Zeit mit ihnen über die Ausbreitung der jüdischen Turnbewegung in der Ukraine, die durch die politische Lage stark behindert war. Der Umaner Maccabi hatte damals einen deutschen Unteroffizier als Turnwart angestellt und er beabsichtigte durch eine Tournee in all die jüdischen Städte des Umkreises für die Turnbewegung Propaganda zu machen und dort Turnvereine zu gründen. Dann rüstete er zu einer Fahrt zum Turntag aller ukrainischer Turnvereine, der in Odessa stattfinden sollte. Der Verband,