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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 8 (1919) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
8 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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21 der alle Turnvereine der Ukraine umfasste, gab auch eine eigene Turnzeitung „Maccabi" in russischer Sprache heraus. Durch den plötzlichen Abmarsch meiner Eskadron aus Talnoje war es mir nicht möglich, mich um die Gründung eines Turnvereins weiter zu bemühen. Als ich jedoch nach einiger Zeit nach Um an selbst kommandiert wurde, habe ich die Verbindung mit den Turnern. sofort wieder aufgenommen. Damals, im Herbst iyi8 war die politische Lage durch die Bauern-Revolution und deren Niederschlagung durch Hetman-Soldaten und die Deutschen weiter verschärft worden In der Turnhalle der Talmud-Thora-Schule, in der die „Maccabäer" turnten, hatten Soldaten mit Pferden ihre Quartiere aufgeschlagen, und so ruhte der Turnbetrieb. Mein Freund, der Leiter des Turnvereins, war nach Charkow in der Sudukraine gegangen, um dort weiter zu studieren, und es war ihm 8«uae<*4 auch dort einen Turnverein ins Leben zu rufen. Mit den fuhrendesi jungen Zionisten in Uman war ich oft zusammen. Wir trafen uns 'm ^zionistischen Büro, auf Versammlungen, oder m hebräischen Sprachkursen. Das jüdische Leben wurde durch die: Not der Ltit äusserst gehemmt, die Gegensätze verschärft durch den Kampf der s- S. (Jüdische Sozial-Revolutionäre) und Bundisten gegen die Zionisten Die S. S. waren damals gerade aus dem Vorstand der judischen Gemeinde ausgetreten; so bedrückte die Zionisten ausser ihrer eigentlichen Arbeit die Sorge um den Bestand derjüdischenGemeinde, die wohl viele Aufgaben, aber kein Geld hatte. Grössere und kleinere Pogrome in der Umgegend von Uman verschärften die Lage. Die zunehmende Gärung unter den Bauern, die gegen die Gutsbesitzer und ihre Anhänger sich wendete, lähmte alle Tätigkeit, doch gelang es den Zionisten in dieser Zeit eine jüdische Bibliothek und Lesehalle zu eröffnen, die einen reichen Bestand an hebräischer, jüdischer und russischer Literatur aufwies. Als in Deutschland die Revolution ausbrach, entwickelte sich in der Ukraine der. geheime Widerstand gegen den Hetman zu einem offenen Aufruhr, und die ukrainische Volksregierung wurde eingesetzt. Die Unsicherheit in den Städten und Dörfern nahm zu. Ich bemühte mich, meine Freunde zur Bildung einer jüdischen Selbstwehr zu veranlassen, obwohl diese bei der Grosse der Gefahr nur' eine schwache Hilfe sein konnte. Vieles wurde mir dagegen gesagt, unter anderem: „wenn die Bauern gegen die Juden vorgehen, wird man viele erschlagen, aber einmal werden sie1 doch "»hig werden. Aber wenn wir Juden uns wehren, wird man uns alle erschlagen." Ich bemühte mich, auch die S. S. für die Selbstwehr zu «nteressieren und hatte einige Besprechungen. Obwohl Waffen sehr schwer zu haben waren, wäre es doch möglich gewesen, für Geld Gewehre zu schaffen. Meine Freunde konnten sich schwer dazu entfchliessen. Plötzlich erhielten wir Befehl aus Uman abzurücken. Auch •eh erlitt das Schicksal so vieler deutscher Soldaten, ich wurde entwaffnet und war kurze Zeit in Gefangenschaft der Bauernsoldatejn. seither habe ich nichts mehr von meinen Freunden in der Ukraine gebort. Ich glaube, dass sie viel Schweres durchlebt haben. 8

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